Eminem. Ein Mann der Extreme. Die einen halten ihn für den größten Rapper aller Zeiten, die anderen für die schlimmste Katastrophe, die Hip Hop je passiert ist. Ich persönlich sehe mich eher im Mittelfeld angesiedelt. Weder hasse ich ihn, noch find ich Shady besonders toll. Allerdings muss ich sagen, dass Em sich mit der "Slim Shady LP" ein Denkmal gebaut hat.
Er schrieb seine besten Lyrics, die aus einer Mischung aus den Schmerzen seiner Jugend, seinem Hass auf seine Mom und Ex, Gesellschaftskritik und Drogentrips bestehen. Die Beats, von denen lediglich drei aus den Händen Dr. Dre's stammen, sind auch sehr schlicht, haben teilweise sogar echten Oldschool-Charakter und sind somit perfekt dafür geeignet den Rapper mit all seinen Skills in den Vordergrund zu stellen. Der erste düstere Eindruck, den das Cover, auf dem Em mit seiner Tochter bei Vollmond auf einem Pier steht, davor sein Auto mit einer Leiche im Kofferraum, vermittelt, wird auch auf dem Album konsequent beibehalten. Ein richtiger Hammer-Song ist das als Single erschienene "Guilty Conscience" von und mit Dr. Dre, in dem die beiden in die Rollen des Engels (Dre) und des Teufels (Em) auf den Schultern fiktiver Personen schlüpfen. Super Beat vom Doc., dazu lustige, dennoch zum Nachdenken anregende Lyrics. Genial! Düster geht's bei "Brain Damage", einem Track über Drogen, zu, ein Song, der bei genauem Zuhören einem tatsächlich das Gefühl gibt, auf einem kleinen Trip zu sein. Ebenfalls genial! Mit "'97 Bonnie & Clyde" gibt's einen Song der seiner berühmten Tochter Haylie gewidmet ist, gleichzeitig aber auch ein herber Schlag in das Gesicht ihrer Mutter darstellt. Auch hier dominiert die düstere Atmosphäre, es wirkt auf der einen Seite deprimiert, auf der anderen Seite ist aber auch Aufbruchstimmung a lá 'Wir gegen den Rest der Welt' zu spüren. Den letzten Beat von Dre gibt's für "Role Model", das ebenfalls als Single erschien und sich um die angeblich schlechte Vorbildfunktion von Eminem dreht. Auch dieser Song wird durch den fetten Beat und Shady's aggressive und harte, dennoch teils ironische Rhymes zu einem Meisterwerk. Über Drogen dreht sich der schon fast amüsante Track "My Fault", in dem Slim Shady sich dafür entschuldigt der erfundenen Susan Drogen gegeben zu haben, an denen sie am Ende des Songs auch zu Grunde geht. Auch dieses Lied überzeugt voll und ganz durch Beat und Rap. Einfach krass! Einer der besten Songs, nicht nur dieses Albums, sondern auch in Eminem's gesamter Karriere, ist "Rock Bottom". Das Instrumental ist der absolute Wahnsinn, lässt es einem im Kombination mit Shady's frustrierten Rhymes sogar eiskalt den Rücken hinunterlaufen. Die letzten Tracks, auf die ich noch eingehen möchte, sind die letzten Beiden des Albums: "Bad Meets Evil" und "Still Don't Give A Fuck", die meiner Meinung nach die besten in Marshall Mathers' kompletter Karriere sind. "Bad Meets Evil" war nicht nur der Name eines Songs, sondern auch der des Duos, das ihn performte: Eminem und sein damaliger Freund Royce da 5'9". Der Beat ist echt super, ein echter "Kopfnicker", und auch die Raps von Em und Royce die sich hervorragend ergänzen und abwechseln gehören zur Creme de la Creme der Hip Hop Geschichte. Schade dass sich Eminem mit dem zur Zeit besten MC zerstritt, ihn feuerte und versuchte ihn durch Leute wie D12, Obie Trice und 50 Cent zu ersetzen, was jedoch kläglich scheiterte, was die Skills betrifft, durch die Verkaufszahlen jedoch gerechtfertigt wurde. Nun aber zu "Still Don't Give A Fuck", der Fortsetzung zu "Just Don't Give A Fuck". Der schnelle Beat und die noch härteren Texte gefallen mir hier deutlich besser, als beim ebenfalls guten Prequel, weshalb dieser Track auch eine echte Bombe geworden ist. Wie gesagt, auf weitere Songs möchte ich nicht weiter eingehen, kann jedoch verraten das Sachen wie "If I Had", "Cum On Everybody", "As The World Turns" und "I'm Shady" auch echter Kracher sind. Nicht nur für Eminem-Fans ist die "Slim Shady LP" bestens geeignet, sondern auch für die, die auf etwas düstere und schlichtere Beats, krasse Lyrics und einen MC in der Form seines Lebens erleben wollen, denn so gut war Eminem später nie wieder!