"The Sleeping Doll" hat erfrischenderweise nicht mehr das ausgelutschte Duo Rhyme/Sachs im Zentrum, sondern die unverbrauchte Kathryn Dance. Als dem hochintelligenten, mehrfachen Mörder Pell die Flucht aus dem Gefängnis glückt, muss die Verhaltensspezialistin Kathryn eine Reise in Pells Vergangenheit antreten und die diversen Frauen seiner Kommune aufsuchen, aber auch das einzige Opfer, das mit dem Leben davonkam...
Die Handlung ist erst mal spannend und überzeugend. Pell scheint ständig Kathryn eine Nasenlänge voraus zu sein, und seine Wirkung auf Frauen kommt glaubhaft rüber. Im letzten Viertel des Romans nimmt die Handlung dann eine unerwartete Wendung nach der anderen, und ab da wird die Überkonstruiertheit der Handlung offenbar. Die allerletzte Wendung schließlich schießt an Unglaubwürdigkeit wirklich den Vogel ab, was die Schilderungen von Pells Persönlichkeit, Cleverness und Vergangenheit während der vorangegangenen 550 Seiten betrifft, und entwertet den ganzen Roman im Nachhinein. Mit weniger Überraschungseffekten wäre der Krimi wirklich besser gewesen!
Mir gefällt auch Deavers lehrbuchhafte Darstellung von Kriminalpsychologie nicht. Es schien mir so, als hätte Deaver hier ein Lehrbuch gelesen, das er dann als Origami-Anleitung zur Entschlüsselung komplizierter Verhaltensweisen in den Krimi eingebastelt hat. Das wirkt nicht natürlich beim Lesen, sondern lehrmeisterhaft, und mich hat das An-der-Hand-Nehmen durch den Autor angenervt.
2 Sterne. Schade.