Hat der Buena Vista Social Club eine Filiale in Belfast? -- Fast möchte man es annehmen, denn was dieses Rentnertrio (bzw. Quartett -- auch Dr. John mischt zweimal mit: Bei "Goin' Home" und "Good Morning Blues") mit einigen auserlesenen Begleitmusikern hier vorlegt, ist ganz einfach Spitzenklasse, das sprüht vor Spielfreude, haut einem bei nahezu jedem Takt mit einer neuen Überraschung vom Sessel.
Zwar erwartet man bei diesen Musikern nichts anderes -- Van Morrison und Dr. John muss man sowieso nicht mehr vorstellen, auch den Dixieland-Veteranen Chris Barber nicht. Der Schotte Lonnie Donegan schließlich gehört zu den Begründern des Skiffle (Dixieland, gespielt mit "Minimalisten"-Instrumenten, Waschbrett usw. Gehört zu den Vorläufern des Mersey-Beat).
Aber w i e diese angejahrten Herren loslegen, das ist unglaublich: Ein Klassiker nach dem anderen, jeden davon kennt man -- aber s o hat man sie noch nie gehört: Egal ob Country, Blues, Skiffle und Folk-Ballade: Jeder Song wird dargeboten von Vollblutmusikern, denen das Zusammenspiel hörbar Spaß macht, die sich gegenseitig zu immer neuen Ideen hochjubeln, die sich für keinen genialen Unfug zu schade sind: Duette der nie gehörten Art, übermütige Improvisationen, gewitzter Country'n Western mit Lagerfeuer-Touch, Blues meets Dixie...
Hier gibt es wirklich keinen Schwachpunkt -- Südstaaten-Blues in "Outskirts of Town", Folk-Balladen ("Goodnight Irene", "The Ballad of Jesse James"), Country mit Django Reinhardt-Anleihen in "Don't You Rock Me Daddio" -- und was noch alles. Die Belfaster waren zu beneiden am 20. und 21. November 1998.
Jeder Takt eine neue Überraschung. Eins ist klar: Als Einschlafhilfe ist diese CD nicht geeignet.