1986 entstand dieser preisgekrönte und einflußreiche BBC-Sechsteiler von Dennis Potter (gedreht von Jon Amiel) über den an einer furchtbaren Hautkrankheit leidenden Krimiautor Philip Marlow (ohne e...), der im Laufe der Handlung seinen Kriminalroman "The Singing Detective" im Kopf erzählt/überarbeitet. Dessen Plot vermischt sich (zusätzlich zum realen Ablauf der Handlung im Krankenhaus) immer mehr mit seiner eigenen Lebensgeschichte, die er gleichzeitig aufarbeitet und was schlußendlich maßgeblich zu seiner Gesundung beiträgt. Während des Verlaufs der Handlungsstränge werden klassische (überwiegend:) amerikanische 40er-Jahre-Schlager/Songs auf visionäre Weise in die Handlung eingebaut. Z.B. fängt der Doktor plötzlich an, "Dry Bones" (der im Wesentlichen die Aufzählung der menschlichen Knochen zum Text hat) zu singen, begleitet von tanzenden Krankenschwestern, durch das Bild humpelnden Patienten usw. Das geschieht jedoch nicht im oft abstrakten Stile eines Musicals (wo sich Kulissen oder Kostüme auch mal blitzartig ändern können), sondern wird völlig bruchlos eingefügt. Die Handlung geht meistens direkt nach Ende des Songs (der ebenso unvermittelt begann) ganz normal weiter.
Eine erstklassige Darstellerriege, angeführt von einem großartigen Michael Gambon in der Doppelrolle als Marlow und singing detective, machen diese in der Krimihandlung im klassischen, manchmal aber auch persiflierenden Ambiente und Stil der Filme der "Schwarzen Serie", aber stets liebevoll gedrehte Miniserie zu einem Hochgenuß für alle Sinne, wozu auch die hervorragende Umsetzung der ca. 20 präsentierten Songs in die Handlung entscheidend beiträgt. Ebenfalls von allererster Güte sind die geschliffenen Dialoge (vor allem zwischen Marlow und dem Psychologen), die im Original (deutsche Sprache gibt es hier eh nicht, lediglich englische Untertitel) überaus treffsicher sind. Gambon mimt den desillusionierten, granteligen, verbitterten Zyniker, der Psychologe kontert mit Verständnis, Logik, Geduld und Spürsinn für die wunden Punkte seines Patienten (wie gute Psychologen eben so sind :-)). Aber auch die vor Abscheu triefenden Monologe/Tiraden Marlows gegen seine untreue (oder für untreu gehaltene) Frau, die meistens nur ein resignierendes Kopfschütteln dafür übrig hat, faszinieren. Tolle Miniserie, unbedingt sehen.
(Die Story wurde übrigens 2003 mit Robert Downey Jr. und Mel Gibson neu verfilmt. Den hab ich zwar nicht gesehen, bezweifle aber, dass der Film eine der Serie ähnliche Intensität bietet.)
In dieselbe Kerbe haut auch "Lipstick On Your Collar" (1993), ebenfalls von Potter als Sechsteiler (diesmal mit 50er-Jahre-Songs garniert), konzipiert, wo ein gewisser Ewan McGregor seine erste Hauptrolle hatte. Und, als erster Teil der Trilogie, "Pennies From Heaven" von 1978 (30er-Jahre), mit einem blutjungen Bob Hoskins.
Nebenbei: Wer wissen will, wie die britische Band Elbow auf ihren Namen gekommen ist, wird hier aufgeklärt: Marlow ist der Meinung, dass das am schönsten klingende englische Wort "elbow" sei (seine Krankenschwester ist für "primrose").