Cop-Serien sind zur Zeit ja mal wieder schwer angesagt. Angeführt von CSI geht das alles in eine Richtung, die man wohl als "neuen Realismus" bezeichnen könnte. Nun erscheint mit "The Shield" eine Serie auf DVD, die in Deutschland leider kaum jemand kennt.
In der Serie dreht sich alles um ein Polizeirevier in Farmington, eine Art nationales Kriegsgebiet in L.A. Schießereinen, Serienmorde, Beziehungsdramen, Drogenkriminalität, Bandenkriege und eine Flut von traurigen Geschichten, der kein Damm Stand halten könnte. Einhalt gebietet den Gangstern das sogenannte Strike-Team um Detective Vic Mackey. Mit seinen Leuten schafft er es tatsächlich immer wieder, der Polizei im Krieg gegen das Verbrechen wichtige Siege zu erringen. Das gelingt allerdings nur, weil Mackey selbst skrupelloser ist als die Verbrecher. Weder schreckt er vor Manipulation von Beweisen zurück, noch vor einem Deal mit einem lokalen Drogenboss. Dem frischgebackenen Captain des Reviers, der eine politische Karriere anstrebt, ist Mackey wegen seiner Methoden ein Dorn im Auge, er will ihn hinter Gittern sehen. Die Lage eskaliert, als bei einem Einsatz des Strike Teams ein Cop ums Leben kommt, der gegen Mackey aussagen sollte.
Zugegeben, "The Shield" greift auf Bekanntes zurück, sieht man 'Vic Mackey bei seinen Einsätzen zu, kommen Erinnerungen an "Training Day" und Denzel Washington als "dirty cop" hoch, wie bei "CSI" werden in einer Folge meist mehrere Handlungsstränge verfolgt und wie kompromisslos mancher Gesetzeshüter gegen das Verbrechen vorgeht, wird häufig in "24" thematisiert. Aber wohl noch nie war eine Serie so kompromisslos realistisch. "The Shield" ist weder spektakulär, noch ist diese Serie besonders spannend. Aber dennoch sitzt man gefesselt vorm Bildschirm, weil man in der Fiktion den alltäglichen Wahnsinn wieder erkennt, den man selbst erlebt oder von dem man in den Nachrichten gehört hat. Bei allen Erfolgen der Ermittler und des Strike Teams wird dem Zuschauer doch immer wieder die Ohnmacht der Polizei vor Augen geführt und gleichzeitig der Wille der Cops, dennoch nicht aufzugeben. Dabei werden Themen wie Rassenhass und auch Homosexualität aufgegriffen und teilweise kontrovers diskutiert.
Und mittendrin Vic Mackey, ein Serienheld, wie man ihn noch nie erlebt hat. Auch "24" zum Beispiel bietet einen vielschichtigen Protagonisten, der oft gar nicht sympathisch wirkt, doch gegen Mackey ist Jack Bauer ein Waisenknabe. Und doch kann man diesen Detective nicht verabscheuen. Neben seinen ganzen Erpressungen, Intrigen, schmutzigen Spielchen, seinen ganzen Lügen und den Betrügereien, seiner Gewalttätigkeit und seinem Zynismus zeigt uns Vic Mackey, dass er auch ein liebender Familienvater ist, der angesichts der Krankheit seines Sohnes manchmal im Kummer zu versinken droht. Großartig, wie Michael Chiklis den Spagat zwischen diesen beiden Welten gekonnt und glaubwürdig hinbekommt.
Unterm Strich ist "The Shield" keine leichte Kost für zwischendurch, diese Serie kann man eher unter "schwer verdaulich" einstufen. Aber wer die dreizehn Folgen durchsteht, wird nicht enttäuscht. Diese Serie ist derzeit wohl das Beste und Anspruchsvollste, was das US-Fernsehen zu bieten hat.