Die Mini-Serie auf 3 DVDs besteht aus sieben Episoden mit je 1 Stunde. Sprache ist Englisch (meist sehr gut verständlich) mit englischen UT. Es geht um eine sehr komplexe Geschichte rund um Drogengeschäfte des organisierten Verbrechens in London und die verfolgenden staatlichen Behörden. Es beginnt mit dem Mord an einem Gangsterboss, der kurz vorher mit einem 'Royal Pardon' aus dem Knast entlassen wurde. DI John Gabriel bearbeitet den Fall. Es ist der erste nach einer Zeit außer Dienst. Bei einer Aktion vor einigen Monaten, bei der ein DS getötet wurde, wurde er von einer Kugel in den Kopf getroffen. Diese befindet sich noch dort und er hat keine Erinnerung an die Ereignisse.
Nach dem Tod des Bosses Wratten muss sich die Gruppe neu organisieren und der bisherige Mann im Hintergrund, Bede, versucht einen anlaufenden großen Deal über die Bühne bringen. Dazu kooperiert sie mit zwei anderen Gruppen, mit denen es auch Konflikte gibt. Ein geheimnisvoller Unbekannter, Gatehouse, taucht auf und bedroht die diversen Akteure mit dem Leben. Die polizeiliche Arbeit läuft weniger rund als erhofft und weist auf interne Spannungen hin. In Nebengeschichten wird u.a. das Familienleben von DI Gabriel aber auch Gangster Bede betrachtet.
Die Serie hinterlässt einen inhomogenen Eindruck. Sie ist stilistisch in Bildern, Kameraführung, Figuren, Tempo der Handlung, Komplexität und Dialogen an den Serien von HBO und Showtime orientiert und erreicht in weiten Teilen auch deren Qualität. Die visuelle Ästhetik (Bilder, Licht, Kameraeinstellung) ist modern, hochwertig und oft atemberaubend gut. Die Figuren sind ganz scharf und präzise und dabei archetypisch gezeichnet. Sehr beeindruckend. Die Dialoge haben oft die beeindruckende Mischung aus Einfachheit, aber doch auch präziser Brillianz, wie man sie z.B. von Sopranos kennt. Die Artikulation ist ähnlich überdeutlich. schneidend und betont, dadurch sehr eindringlich und in den ruhigen Szenen (von denen es viele gibt) sehr berührend oder bedrückend. Die Story ist hochkomplex und schafft es meist, die vielen Fäden gut und balanciert nebeneinander zu behandeln. Es gibt somit viele Anteile, die die Produktion zu einem echt brillianten Highlight moderner TV-Kunst machen würden.
Wären da nicht leider ein paar Schwächen...:
- Im ganzen wird die Komplexität der Handlung etwas übertrieben. Es gibt noch einen Twist, noch einen, noch einen, noch einen.... und mit der Zeit wird es dann manchmal ermüdend. Das Gesamtgefüge erscheint somit zwar komplex, aber nicht in sich stimmig und somit nicht packend genug. Das betrifft v.a. die langsam enthüllte Vorgeschichte der aktuellen Ereignisse (die übrigens selten ermittelt werden, sondern oft entscheidet sich einfach eine Figur eher unmotiviert sie jetzt einfach mal zu erhzählen). Wer es schafft, umfassend und stimmig zu beschreiben, wer von den beteiligten Gruppen und Personen in den Jahren zuvor mit wem Geschäft gemacht, wer wem wann Geld oder Drogen geliefert hat und wen wann warum beschissen hat - der darf sich Zuschauer des Jahres nennen. Das Ausmaß, in dem sich eine Handvoll von Figuren über Jahre hinweg vermeintlich unbemerkt voneinander gegenseitig beschissen hat, klingt auch zu unglaubwürdig. Weniger wäre hier mehr gewesen.
- Die ein oder andere Übergrausamkeit (der Body Count ist recht hoch) wirkt einen Tick zu stark oder hat zumindest zu wenig Auswirkungen (speziell der sehr tragische Tod einer unbeteiligten Figur, der dramaturgisch völlig versandet).
- Gelegentlich wird es einen Tick zu langsam und dunkel. Der beeindruckende Effekt langsamer und dunkler Szenen verliert sich mit der Zeit, wenn er nicht mit gegenteiligen gepaart wird.
- Ein paar Szenen sind so unglaubwürdig, dass sie grotesk wirken (z.B. die Situation zum eben erwähnten Tod, eine Verfolgungsjagd in Episode 2, die an "Väter der Klamotte" erinnert oder eine der branchüblichen Wunderheilungen).
Zum Schluss noch ein Lob: Schauspielerisch ist es auf sehr, sehr hohem Niveau. Für mich besonders hervorstechend: Christopher Ecclestone als Bede, der verzweifelt versucht, sein Leben in der Kriminalität, in der er nicht richtig hinzugehören scheint, auf die Reihe zu bringen.
Fazit: Aufgrund der brillianten Anteile, der tollen Ästhetik und der starken Figuren eine klare Seh-Empfehlung. Man muss allerdings immer mal wieder ein paar "Ach nee, Kinder, jetzt geht Ihr aber zu weit"-Momente ertragen, die in ihrem Nachhall über Minuten den Genuß im ganzen doch so sehr trüben, dass ich fünf Sterne knapp nicht mehr als gerechtfertigt empfand.