Anna Wintour ist seit über zwanzig Jahren die Chefin des amerikanischen Modemagazins Vogue. Sie "beherrscht" dadurch eine 300 Milliarden-Dollar-Industrie. Wenn ihr etwas gefällt und in den redaktionellen Teil der Zeitschrift Eingang findet, dann wird dieses Teil für diese Frauen zum "Must have". Traditionell ist die September-Ausgabe die umfangreichste des ganzen Jahres. Für die Modeindustrie ist diese Ausgabe wie der Januar des Jahres. Der Herbst beginnt, und mehr oder minder plötzlich werden wir mit einer anderen Mode konfrontiert.
Dieser Film begleitet Anna Wintour bei den Vorbereitungen für diese Ausgabe, die übrigens schon im März beginnen. Es zeigt sich, das Anna ein bisschen so ist, wie es in dem Spielfilm "Der Teufel trägt Prada"
Der Teufel trägt Prada schon angedeutet wird, allerdings weniger überzogen. Anna Wintour ist eine kühle und distanzierte Frau, die außerordentlich ehrgeizig und diszipliniert ist. Ihre Ansichten sind manchmal unberechenbar. Teilweise passt ihr schwarz und grau nicht für den Winter, und wenn man ihr dann pink vorschlägt, hält sie das für zu frühlingshaft. Diese Widersprüche machen sie aber auch interessant, und vielleicht auch so erfolgreicn. Ihr Herausgeber sagt, dass er für das Menschliche zuständig ist. Insofern sind die Beiden ein gutes Team. Mit einem ungeheuren Aufwand wird hier die High-Class-Mode präsentiert. Richtigerweise sagt Anna, dass die Beschäftigung mit Mode nicht unbedingt ein Armutszeugnis ist. Sie beeinflusst unser aller Leben, und wer behauptet, sich nicht dafür zu interessieren, der leidet häufig unter dem Gefühl, daran nicht teilhaben zu können, was sicherlich für einen erheblichen Teil der Bevölkerung auch zutrifft. Auf der anderen Seite ist man nicht automatisch dadurch ein Dummie, dass man seine Jeans nicht im Kaufhaus sondern bei Versace kauft. Und auch als intelligenter Mensch braucht man sich keineswegs zu schämen, wenn man sich diesen Film ansieht.
Der Film ist eine Dokumentation, trotzdem witzig gemacht, und man sieht, dass Anna durchaus Humor hat, auch wenn sie den nicht immer zeigt. Insgesamt ist der Film ein hervorragender Einblick in eine Industrie, von der man sonst nur die Fassade sieht.