Die kleine Mary wächst wohl behütet und von Dienerinnen umgarnt mit ihren reichen Eltern im fernen Indien auf. Was Freunde sind, weiß sie nicht, und auch die elterliche Liebe scheint sie nicht zu kennen, da sie ihren Erzeugern mehr im Wege zu stehen scheint.
Als eines Tages die Erde in Indien zu beben beginnt versteckt sie sich während einer pikfeinen Party unter einem Bett, während Decken einstürzen und Menschen ums Leben kommen. Unter anderem auch ihre Eltern.
Sechs Monate später trifft sie in England ein. Im Schloss ihres Onkels, dessen Frau (ihre Tante mütterlicherseits, da es Zwillngsschwestern waren) vor 10 Jahren ums Leben gekommen ist. Wirklich wohl fühlt sie sich vom ersten Tag an nicht. Niemand kleidet sie an und auch sonst herrscht seitens der Hausherrin ein sonderbar harter Umgangston. Ihr Onkel, ein vergrämter buckliger Mann, der ständig auf Reisen ist und den Kontakt zu ihr immer wieder innerhalb des Schlosses vermeidet, entschließt sich kurzerhand, sie doch eines Tages kennen zu lernen. Zunächst verblüfft über die Ähnlichkeit mit ihrer Tante (seiner verstorbenen Frau) erhellt sich sein Anlitz für einen Moment. Doch so schnell das Leuchten in den Augen entfacht ist, so schnell ebbt es auch anhand der schmerzlichen Erinnerungen wieder ab.
Da im Schloss keine weiteren Kinder gibt, beschäftigt man Mary damit, sie allein ins Freie zu schicken, wo sie ruhig ein wenig die Gärten des Anwesens erkunden kann. Als sie eines Tages eine Hecke erspäht, hinter der sich eine verschlossene, massive Tür verbirgt, wächst die Neugierde schier ins Unermessliche, hat sie doch vor wenigen Tagen in einer der Kammern auf dem Schloss einen großen Schlüssel gefunden.
Bei ihrem nächsten Ausflug trifft sie zum ersten Mal auf Dickon. Den kleinen irisch wirkenden Jungen, der alles über die Natur und die Tiere auf dem Anwesen zu wissen scheint. Schnell sind sich die beiden einig und streifen durch die Gärten. Natürlich auch in jenen verbotenen, den ihr Onkel hat schließen lassen, als seine Frau damals starb. Denn sie starb nicht irgendwo. Nein! Sie starb in diesem Garten, als sie von der Schaukel fiel.
Unheimliche Schreie auf dem Schloss, von denen man meinte, es handle sich um den Wind oder das Jammern der Hunde, stimmen Mary nachdenklich, sodass sie kurzehand den weinenden Lauten nachgeht. In einer dunklen, klobigen Kammer entdeckt sie ihren Cousin Colin, der angeblich sterbenskrank und gehbehindert ist. Papperlapapp denkt sich Mary, und beschäftigt sich mit dem traurigen Jungen, dessen Vater ihn nie sehen möchte. Nach und nach bringt sie Licht in sein Leben und verärgert zusehends die Hausherrin, die mit seiner Fürsorge betraut wurde. Vor allem seine Flausen will sie ihm austreiben, ihm abgwöhnen, von oben herab und in herrischem Ton mit ihr zu sprechen.
Und schon bald erzählt sie ihm von ihrem und Dickons Geheimnis. Ihrem geheimen Garten, den sie klammheimlich wieder besät und bewirtschaftet haben und der nun in voller Blüte steht...
Meine Meinung:
Ein fantastischer Film auf jeder Ebene. Die Schauspielkunst und Mimik der kleinen Mary (Kate Maberly) ist wirklich bemerkenswert. Ich habe selten Filme gesehen, wo mir auf Anhieb ein Kind so ans Herz gewachsen ist, weil seine Mimik und Gestik so menschlich und nicht nur menschlich gespielt wirkt. Egal ob bockig, erfreut, traurig oder vollends nachdenklich, die Mischung stimmt in voller Linie und dieses kleine schelmische Gesicht ist wirklich goldig.
Weiterhin wird dieser Film von wirklich guter und größtenteils melancholischer Musik untermauert. Tolle Aufnahmen im Garten, wo die Kinder mit den Tieren (Rehe, Ziegen, Schafe) herumtollen, akribisch die Beete hegen und neue Blumen säen, sind im Zusammenhang mit der Musik eine wirklich Ohren- und Augenweide.
Vor allem aber ist die Gesamtmischung. Ein Film, der 1999 gedreht noch nicht mit Special-Features bestückt ist, im Prinzip eine einfache Geschichte erzählt und die Schauspielkunst der Kinder in der Vordergrund rückt. Teils Märchenhaft strukturiert definitiv ein Werk, das ich mir - fest vorgenommen - jedes Jahr aufs Neue zur Weihnachtszeit anschauen werde (so wie manch einer Dinner for One an am Silvesterabend). Ein Kinder- und Erwachsenenfilm mit Tiefgang, Niveau und einer klaren Botschaft: Die ganze Welt ist ein Garten! Und zum Schmunzeln gibt es sicher auch jede Menge. Denn es ist einfach herlich zuzusehen, wie zwei verhätschelte Kinder den Umgang von Erwachsenen hegen, sich zunächst siezen und letztendlich erkennen, dass Mut und Freunschaft ein wahres Gut ist. Doch wirklich amüsant sind jene Szenen, wo die Kinder beginnen, ihrem Stande rechtens, die Erwachsenen mit erhobenem Zeigefinger und dunkler Stimme die Beschäftigten auf dem Schloss herum zu kommandieren.
Ein Film mit vielen Botschaften und melancholischen Untermauerungen, der zu einem meiner persönlichen Highlights gekürt ist. Und für jeden hier, der mich nur als Buchrezensent kennt:
Ich rezensiere so gut wie nie Filme und bin auch wirklich schwer zu begeisteren (vor allem in diesem Genre). Doch über diesen Streifen musste ich einfach reden, weil er es allemal Wert ist.