"It is nice to see a work of art win the Booker Prize", lautete der unbescheidene Kommentar John Banvilles kurz nachdem bekannt wurde, dass sein Roman "The Sea" den bedeutensten Buchpreis fuer englischsprachige Literatur Europas gewonnen hat.
Es trifft in der Tat zu, dass "The Sea" keine typische Unterhaltungslektuere ist. Der Protagonist und Ich-Erzaehler Max Morden muss den Krebstod seiner Frau Anne verkraften und kehrt in das Kuestendorf Ballyless zurueck, an den Ort, an dem er vor mehr als fuenfzig Jahren als elfjaehriger Junge einen Sommerurlaub verbracht hat, dessen traumatischer Verlauf ihn sein gesamtes Leben nicht losgelassen hat.
Die Erzaehlung wechselt mehrmals zwischen den beiden Zeitebenen hin und her. Berichtet uns Morden gerade noch von seinen Erlebnissen mit den Zwillingen Chloe und Myles in Ballyless, handelt der folgende Abschnitt vom Sterben seiner Frau "vomiting on the floor, her burning brow pressed in my palm, full and frail as an ostrich egg" (160).
Es ist weniger die Handlung als vielmehr die universellen Themen Liebe, Verlust, Tod und Einsamkeit sowie Banvilles geradezu poetische Sprache, die die Klasse von "The Sea" ausmachen. Literatur schafft es ja eher selten direkt und unmittelbar auf den Leser zu wirken. Banville gelingt dies mehr als nur einmal. Seinen ersten Kuss mit der fruehreifen Chloe umschreibt Max mit den Worten: "As at a signal [...] Chloe and I turned our heads simultaneously and, devout as holy drinkers, dipped our faces towards each other until our mouths met. I felt as if we were flying, without effort, dream-slowly, through the dense, powdry darkness" (143f.).
Diesem Gluecksgefuehl der ersten Liebe stehen Mordens Gedanken ueber den Tod und die Vergaenglichkeit des menschlichen Lebens gegenueber: "True, there will be something from us that will remain, a fading photograph, a lock of hair, a few fingerprints, a sprinkling of atoms in the air of the room where we breathed our last, yet none of this will be us, what we are and were, but only the dust of the dead" (119).
Fazit: Ein untypischer, aber inhaltlich und vor allem sprachlich einer der besten Gewinner des Booker Prize der vergangenen Jahre. Wahrlich ein "Kunstwerk".