Mit seinem Thriller-Debut "The Scorpion's Gate" ist dem bisher nur durch seine Sachbücher ("Against all Enemies" und "Gegen die Krieger des Dschihad") bekannten Richard A. Clarke nicht nur ein solider Thriller, sondern auch ein authentisches Szenario gelungen.
Wir befinden uns im Jahr 2011. Nachdem die amerikanischen Besatzungstruppen aus dem Irak verscheucht wurden und der Iran zur Nuklearmacht aufgestiegen ist, wurde 2009 in Saudi-Arabien das Könighaus der al-Sauds gestürzt und die islamische Republik Islamiya ausgerufen. Unter der Führung einer Schura sieht sich Islamiya nun gleich von mehreren Seiten bedroht, da es über die weltweit größten und am günstigsten zu fördernden Ölvorkommen verfügt. Während die USA und ihre Verbündeten das neue Regime als Bedrohung einstufen, versucht der Iran das Land irgendwie unter seine Kontrolle zu bekommen, doch scheinbar hat die Schura ein Bündnis mit dem aufstrebenden China eingegangen. Im Austausch gegen das wertvolle schwarze Öl bieten die Chinesen militärischen Schutz. Als in der arabischen Wüste jedoch chinesische Raketenstellungen entdeckt werden, droht die Lage zu eskalieren.
Die Antwort der Amerikaner auf diese nukleare Bedrohung, ein groß angelegtes Manöver vor der ägyptischen Küste, um die Chinesen einzuschüchtern, doch etwa zur gleichen Zeit entsenden diese eine eigene Flotte in Richtung Islamiyah. Um eine Eskalation der Lage zu verhindern beschließt der stellvertretende Vorsitzende der Schura und Minister für Sicherheitsfragen, Abdullah bin Rashid, seinen Bruder Ahmed als Spion in das mit den USA alliierten Bahrein einzuschleusen. Zeitgleich begibt sich der stellvertretende Direktor des IAC (Intelligence Analysis Center) Russel Mac Intyre auf eine Reise in den mittleren Osten, wo er mit dem Leiter der SIS-Niederlassung, Brian Douglas, wichtige Informationen über die chinesischen Raketenstellungen austauschen soll. Wie sich schnell herausstellt plant der US-Verteidigungsminister (welcher großzügige finanzielle Unterstützungen seitens der Saudis erhalten hat) einen Einmarsch in Islamiya. Kurzerhand soll das amerikanischen Flottenmanöver zur Invasion umgestaltet werden, doch Terrorkommandos des Iran drohen währenddessen eine ganze Hafenanlage in die Luft zu jagen. Die Konfrontation scheint unvermeidlich, doch Islamiya versucht einen eigenen Weg zu gehen...
Clarke, der einst als Berater dem US-Präsidenten Bill Clinton zur Seite stand und die Ereignisse rundum den 11. September 2001 als Leiter des Krisenstabs im weißen Haus miterlebte, kennt sich also in seinem Genre entsprechend gut aus, was bei der Lektüre des Buches auch schnell deutlich wird. Man bekommt das Gefühl vermittelt sich direkt im amerikanischen Krieg gegen den Terror zu befinden und "live" mitzuerleben. Die Handlung selbst erinnert nur zu gut an eines jener Szenarien, welche so gerne von Nahostexperten heraufbeschworen werden, wenn es darum geht mögliche Entwicklungen im nahen Osten zu beschreiben und genau das ist "The Scorpion's Gate" eigentlich, ein in einen Thriller verpacktes Nah Ost-Szenario.
Fazit:
Ein spannender Thriller, der zum Einen über ein hohes Maß an Realismus und zum Anderen eine schwer vorhersehbare Handlung verfügt, eigentlich die ideale Kombination für eine erfolgreiche Verfilmung.