Der für seine Arbeiten zu morphischen (oder morphogenetischen) Feldern berühmt gewordene englische Biologe Rupert Sheldrake rechnet in diesem aktuellen Buch überzeugend, detailliert und höflich, aber gnadenlos mit jenen sogenannten Wissenschaftern (wie z.B. Richard Dawkins) ab, welche jede Forschung an nicht-materiellen Fragen a priori als "unwissenschaftlich" verunglimpfen und am liebsten verbieten würden.
Zum Hintergrund der Kontroverse:
Unter "wissenschaftlichem Arbeiten" versteht man zunächst eigentlich nur eine generelle Forschungsmethodik. Diese ist geprägt dadurch, dass der Forscher ein Phänomen beobachtet (z.B. dass die Planeten am Himmel manchmal seltsame Schleifenbewegungen ausführen), dass er dann eine Theorie aufstellt (ein Modell entwickelt), wie das Phänomen zustandekommt, aufgrund dieser Theorie / des Modells Vorhersagen macht, welche Ergebnisse eine gewisse Messung oder ein Experiment ergeben müssen, und schliesslich die effektiven Ergebnisse mit seinen Vorhersagen vergleicht. Je nach Ergebnis, kann er sein Modell vertiefen, oder muss es überarbeiten. All diese Arbeiten, die Messdaten, die Modelle etc. werden publiziert, damit jeder andere die Modelle, Vorhersagen etc. nachprüfen und ggf. widerlegen kann.
Grundsätzlich kann man jedes beliebige Thema, von der Bewegung der Planeten über die Evolution bis zur Homöopathie, Telepathie oder der kalten Kernfusion wissenschaftlich untersuchen.
Der wesentliche Fortschritt der Aufklärung, welcher Galileo, Newton und Descartes zum Durchbruch verholfen haben, war es, statt auf kirchliche Glaubenssätze und gelehrte Gedankenspiele ("wieviele Engel können auf einer Stecknadelspitze tanzen?") zu hören, sich mit Experimenten, Messungen und öffentlicher Diskussion ein glaubensunabhängiges Bild der Realität zu machen.
Die durch die Loslösung von kirchlichen Dogmen ermöglichten neuen Erkenntnisse in Physik, Chemie, Biologie, Medizin haben in den letzten 350 Jahren zu einem enormen Fortschritt von Technik und Gesellschaft geführt.
Vorreiter der Entwicklung war die Physik, welche immer genauer und umfassender zu erklären versuchte, woraus die Welt besteht und nach welchen Gesetzmässigkeiten sie funktioniert. Dieser Ansatz führte stillschweigend dazu, dass von vielen Beteiligten "wissenschaftlich" mit "materiell" gleichgesetzt wurde. Bekannte Exponenten wie Dawkins z.B. vertreten mit grosser Inbrunst die Überzeugung, dass das ganze Universum nur aus materiellen Elementen (Materie / Energie / Raum / Zeit) besteht. Nicht-materielle Dinge, wie z.B. das menschliche Bewusstsein werden als blosse "Epiphänomene", aus der materiellen Grundlage entstandene "Nebenwirkungen" der Materie gedeutet.
Das Problem ist nun, dass diese materialistischen Wissenschaftler ihren kategorischen Materialismus heute wie eine Religion behandeln: Man darf ihn nicht in Frage stellen. Es gibt Dogmen, welche nicht diskutiert werden dürfen - andernfalls wird man verunglimpft, lächerlich gemacht, gemobbt und wenn möglich aus dem Wissenschaftsbetrieb entfernt. Kein Wunder, erinnern die mit hemmungslosen Lügen, Intrigen und Tricks und Falschspielereien betriebenen Kampagnen der Materialisten (wie z.B. Dawkins) gegen Andersdenkene Wissenschafter (wie z.B. Sheldrake) oft an die katholische Inquisition und andere religiöse Strafaktionen gegen Abweichler.
Vor diesem Hintergrund ist das Buch von Sheldrake zu verstehen: In einer minutiösen, detaillierten und stets wissenschaftlich einwandfrei belegten Abhandlung setzt sich Sheldrake mit der Kritik und den Gedankengebäuden seiner Gegner auseinander. Dazwischen zeigt er gelegentlich, zu welchen verlogenen Methoden diese Gegener schon gegriffen haben, um die Forschung von Sheldrake (und anderen) zu unterdrücken und zu behindern. "The Science Delusion" bezeichnet die "Wissenschaftsillusion", welche solche pseudowissenschaftlichen Figuren und Gruppierungen als echte Wissenschaft ausgeben.
Es ist zu hoffen, dass vor allem junge, noch nicht völlig vom Mainstream vereinnahmte Studenten und angehende Wissenschafter dieses Buch lesen und ihren Blick öffnen für die Abirrungen und Verdrehungen, welche den etablierte Wissenschaftsapparat heute dominieren.
Ein weiteres Buch mit ähnlicher Stossrichtung, ebenfalls einwandfrei belegt und klar formuliert, ist das Werk vom Arzt und Forscher Ch.T.Tart
The End of Materialism: How Evidence of the Paranormal Is Bringing Science and Spirit Together.
Fazit: Ein wichtiges Buch, auch wenn die Schilderung der Unterdrückungsmechanismen zu denen materialistische Wissenschafter offenbar hemmungslos zu greifen gewillt sind, bedrückend wirken können auf einen Leser, der neugierig und offen für alle Phänomene der Welt ist und gerne mehr wissen möchte.