Ich habe "The Savage Girl" selten lange beiseite gelegt und das Buch zügig durchgelesen. Es ist der Debütroman des Engländers Shakar. Ort ist eine fiktive Metropole in der nicht allzuweit entfernten Zukunft, gelegen an einem Vulkan-Krater - die Wolkenkratzer übertrumpfen sich, Werbung ist allgegenwärtig, Konsum die Parole Nr.1. In dieser Stadt trifft der Leser auf die beiden van Urden-Schwestern, Ursula und Ivy. Letztere ein Ex-Model, das nach einem Nervenzusammenbruch klinisch betreut werden muss; erstere eine gefrustete Malerin, die sich in der modernen Wirtschaftswelt als "Trendspotterin" versucht. Sie entdeckt einen neuen, den "savage" -also den wilden- Trend. Um diesen zu vermarkten, wird von ihrer Agentur Ivy als Model wiederentdeckt - nach ihrer vermeintlichen Heilung. Beide Schwestern wehren sich gegen die Kommerzialisierung, auf ihre Art. Shakar fängt einige Entwicklungen unserer Zeit sehr gut ein (Wert der Äußerlichkeiten, Verkaufszahlen als Totschlag-Argument), doch so recht will mich die Story nicht packen. Vielleicht weil Shakar oft in dem recht engen Kosmos seiner Figuren bleibt und wenig über die Zeit und den Ort preisgibt, den er da beschreibt. So pendelt das Buch zwischen Erzählung persönlicher Schicksale und Zeitkritik und schafft beides nicht so richtig. FAZIT: Trotzdem lesenswert, klug und interessant.