The Runaways waren eine Girlgroup, die in der Zeit von 1976 bis 1978 fünf Studio- und ein Livealbum veröffentlichten. Obwohl sie die erste wirklich ernst zu nehmende reine Girlgroup waren (es gab vorher mindestens eine mit Namen Fanny, die aber keinen großen Erfolg hatten), sind sie im Gesamtgefüge des Rock aber eher eine Randnotiz, so dass es etwas erstaunlich ist, dass man über sie einen Film macht wie über Schwergewichte des Rock wie Johnny Cash oder Ray Charles (Jaja, ich weiß, Cash ist Country und Charles Soul, ich meine Rock als Oberbegriff).
Vielleicht liegt es an Joan Jett, die ja immer noch im Geschäft ist und auch wenn sie schon lange keinen echten Hit mehr hatte, trotzdem von Kritik und Publikum geschätzt wird, weil an ihrer Musik nichts Künstliches ist. In dem Zusammenhang fällt mir ein Artikel im "Rolling Stone" ein, der Jett pries (sinngemäß), sie habe in den Achtzigern wie Chrissie Hynde, Annie Lennox u. a. Rock-Stereotypen auf erfolgreiche Art über den Haufen geworfen, aber keine von denen hat es mit einer derartigen Lautstärke getan. Und man glaubt es kaum, Joan Jett ist dieses Jahr FÜNFZIG geworden.
Insofern dürfte "The Runaways" in erster Linie was für die Fans der Gruppe sein, aber sicher hat man hier auch auf die Anhänger der beiden Jungstars Dakota Fanning (als Leadsängerin Cherie Currie) und Kristen Stewart (als Joan Jett) gesetzt. Beide Zielgruppen werden nicht enttäuscht.
Es gibt zumindest im deutschsprachigen Raum nur wenig Material über die Geschichte der Runaways, sogar die von einigen Medien erkorenene "Bibel der Rockmusik", das Rock Lexikon erwähnt die Runaways nur kurz im Zusammenhang mit Joan Jett. Also ist es nicht so sicher, ob das historisch alles so stimmt, was man im Film sieht, aber immerhin beruht der Film auf der Autobiografie von Cherie Currie "Neon Angel" und Jett und Currie haben bei den Aufnahmen beratend zur Seite gestanden, also dürfte die Geschichte wohl im Großen und Ganzen stimmen. Das einzige Problem dabei ist, dass z. B. die wichtige Figur Lita Ford (die es später ja auf einige Soloalben brachte) an den Rand gedrängt wird und es so aussieht, dass die Runaways nach dem Ausstieg Curries nicht mehr existierten, was mitnichten der Fall war. Allerdings waren die beiden Alben danach auch kein großer Erfolg mehr, wobei man noch erwähnen muss, dass die Runaways in ihrer Heimat (All Male) Amerika eher ein untergeordnete Rolle spielten. Ihre Erfolge erzielten sie in Europa und vor allem in Japan, wo sie verehrt wurden, was im Film gut zu sehen ist.
Jetzt habe ich zwar mehr was über die Runaways erzählt als über den Film selbst, aber das macht aus meiner Sicht nichts (vielleicht hilfts ja als Hintergrundinformation), denn genau genommen wird hier die übliche Rise-And-Fall Story einer Musikgruppe erzählt, mit den üblichen Eifersüchteleien und Drogengeschichten, allerdings im Gegensatz zu den beiden oben erwähnten Verfilmungen eher harmlos.
Es gibt auch keine wirklich überragenden schauspielerischen Darstellungen, wobei ich die Leistungen von Fanning und Stewart keineswegs schmälern will. Beide spielen ihren Part überzeugend.
Nee, sehenswert ist der Film allein wegen der durchgehend klasse Musik, entweder von den Runaways (wobei Fanning und Stewart auch selbst singen) und anderer wie David Bowie, den Sex Pistols oder den Stooges. Es ist eben ein Musikfilm und da ist er richtig gut und da fallen einem doch glatt die Stones ein: "It's Only Rock N' Roll" - AND I LIKE IT!!!!!!!!!!