Eines vorweg: Diese CD klingt b-o-m-b-a-s-t-i-s-c-h!!!
Kein Wunder also, warum u.a. auch diese Aufnahme im Rahmen der SACD-Serie des Royal Philharmonic Orchestra für ein edles Remastering ausgewählt wurde. Wer die Nachbarn mal so richtig erschrecken möchte, ist hier jedenfalls richtig: Die Hörner des renommierten Royal PO blasen alles weg, was ihnen im Wege steht.
Von Paavo Järvi hört man indes in letzter Zeit (fast) nur Positives. Der Sohn des estnischen Star-Dirigenten Neeme Järvi ist immer wieder gut für höchste Bewertungen in der einschlägigen Fachpresse.
Die vorliegende Aufnahme aus dem Jahr 1994 zeigt auch deutlich, dass mit Paavo Järvi ein großer Dirigent aus dem Schatten seines (über-)großen Vaters herauszutreten versucht: Unkonventionell und hochkorrekt dirigiert er ein hervorragend aufspielendes Royal Philharmonic Orchestra. Dabei zeigt Järvi eine Vorliebe für überwiegend zurückgenommene Tempi mit breit gewalzten spätromantischen Bläsersätzen, die dann natürlich entsprechend effektvoll tönen.
Dieser "Blick in die Eingeweide" der Partitur tut Dvoraks 9. Sinfonie leider nicht in jeder Hinsicht gut. Die farbenfrohe und lyrische Musik bekommt durch Järvi einen Oberlehrer-Stempel verpasst, der die Musik an vielen Stellen nur noch "kalt" und akademisch wirken lässt. Dieser Interpretationsansatz ist zwar durchaus hoffähig - hat doch in jüngster Zeit Nikolaus Harnoncourt mit dem Concertgebouw Orchester aus Amsterdam bewiesen, dass er die Lage in der "Neuen Welt" ziemlich ähnlich sieht - richtig überzeugend wirkt das aber nicht.
Musik ist und bleibt eben Auslegungs- und letzten Endes dann wohl auch Geschmackssache. Wer "sezierten" Dvorak wünscht, bekommt ihn hier auf dem Tablett serviert. Bittesehr!
Meiner ganz persönlichen Ansicht nach gibt es aber wohl nichts Schöneres, als dem herrlich spontanen und dem (man muss es wohl so formulieren) auch "herzlichen" Spiel der Staatskapelle Berlin unter der fabelhaften Leitung von Otmar Suitner zu lauschen oder sich von der geradezu unbändig-rasanten Kubelik-Einspielung der Deutschen Grammophon in den "Wilden Westen" entführen zu lassen. Hier können die Musik-Akademiker einpacken, da ist Dvorak noch "echt" (wild-)romantisch!
Abschlussfazit: Zweifellos eine Bereicherung der Dvorak-Diskographie, allein schon wegen des grandiosen Sounds, der selbst audiophilen Labels wie z.B. Telarc die Schweißperlen auf die Stirn treiben dürfte. Die Einspielung könnte jedoch mehr Emotion vertragen. Dies hier ist schließlich die "Neue Welt", nicht "Agon".