Diese Rezension bezieht sich nicht nur auf Band fünf, sondern auf die gesamte Reihe.
TRDO (der Einfachheit halber kürze ich den Namen ab...) fiel mir vor einigen Monaten in die Hände, als ich beschloss, einige neue Manga anzufangen. Ich kaufte es zusammen mit Fairy Tail und Black Butler - und mittlerweile, denke ich, hätte ich mir zumindest für TRDO das Geld sparen können. Dazu mehr im Verlaufe der Rezension.
Von der Storyline war ich begeistert. Menschen, die sich durch ein Virus, das von einer wunderschönen, ewig jungen Königin verbreitet wird, zu bösen Kannibalenpuppen entwickeln. Ein Orchester, das zum Teil selbst aus diesen Guignols (frz. für Marionetten) besteht und den einzigen Schlüssel besitzt, um die Menschheit zu retten und die Puppen in die ewigen Jagdgründe tanzen zu lassen. Deren charismatischer Sänger, der durch sein androgynes Aussehen alle bezirzt und dabei keine guten Absichten hat. Die ganze Musikgruppe hat eine dunkle, blutige Vergangenheit. Das konnte ja nur gut werden...
... Jedenfalls dachte ich das. Ein Pluspunkt sind die an sich guten Zeichnungen. Kaori Yuki ist eine Meisterin, das merkt man an ihren anderen Werken wie God Child und Angel Sanctuary, die tiefgründig und berauschend sind, wie man es selten liest. Umso mehr finde ich es furchtbar, wie lieblos sie ihre neue Serie hier behandelt. Da wären zum einen die Kommentare der Autorin, die wie in Manga üblich hauptsächlich "bitte unterstützt mich auch weiterhin" sind. Leider werden außer den Namen, die allesamt Edelsteine oder Sonstiges sind, keine Details erklärt. Einige Charaktere werden so schnell abgehandelt, dass man sie auch hätte weglassen können, dazu sagt die Autorin nur "es ging leider nicht anders". Achso. Will sie mir erzählen, als so bekannte Mangaautorin hat ihr der Verlag gesagt, sie muss ihr Werk schlecht machen? Eher nicht.
Der rote Faden, den ich schon in meiner letzten Rezension zum Werk bekrittelt habe, fehlt auch weiterhin. In Band fünf geschieht alles Schlag auf Schlag, da ist nun wirklich keine Chronologie drin. Viele Sachen die passieren habe ich beim Erstlesen gar nicht verstanden, weil sie einfach nichts beitrugen. Charaktere sterben ohne Sinn und Zweck, der ja selbst in einem B-Horrormovie teilweise vorhanden ist. Wieder nur der Kommentar "das musste so sein, ich wollte es ja auch nicht, ich Arme, verdiene so viel Geld und muss dann nicht mehr darauf achten, was meine Fans wollen, hach ich süßes Ding..." ja und in dieser Richtung ist leider auch der Manga gestaltet. Neben rotem Faden der nicht da ist und Sinnlosigkeit sind auch die Zeichnungen, zwar gut, extrem wirr und teilweise etwas überladen. Die Handelnden sind leblos und werden von der Autorin ungefähr so nett behandelt wie in Bis(s) zum Ende der Nacht von der Mormonenkönigin Stephenie Meyer. Grausig, wenn schon nicht gruselig wie erhofft.
Alles in allem frage ich mich, was das soll. Die Geschichte führt am Ende zu NICHTS. Der "Antagonist" (najaa...) ist tot, wird aber von der Regierung wiederbelebt. Das wird beiläufig erwähnt. Achso. Warum?! Wenn jemand ein Buch schreiben würde in dem nichts passiert und dann am Ende wären noch 3 Zeilen, was mit den Charakteren geschah, ohne Gründe, würde man ihm vielleicht nicht unbedingt den Literaturnobelpreis verleihen. Eine Frechheit, und es regt mich auch furchtbar auf, wenn Autor, egal ob Buch, Manga oder Zeitung, so eine schlechte Leistung abliefert. 2-3 Bände lang hätte das hier etwas werden können und dann ging es steil bergab, für die Mathematiker: Der Manga war monoton fallend. Wenn ich doch schon weiß, dass ich nur 5 Bände zur Verfügung habe (warum auch immer, was denkt sich eigentlich der Verlag?), muss ich eben einen Plan aufstellen, wen ich verwende und wen nicht und im Zweifelsfall noch ein Spin-Off schreiben oder auch nicht.
Besonders toll ist auch, dass nach der Hälfte von Band 5 (!) die Hauptstory zu ende ist. Danach folgt eine Randomstory, von der die Autorin sagt, dass sie leider viel zu kompliziert sei und für ein One-Shot Manga gäbe es auch zu viele Charaktere, aber "tut mir leid". Du mich auch. Wie kann man bloß von God Child und Angel Sanctuary, solch durchdachten kleinen Meisterwerken, zu einem Schundautor werden? Traurig, am liebsten würde ich sie das selbst fragen, aber da mangelt es mir an Japanisch.
Schlusswort: Finger weg von The Royal Doll Orchestra - es gibt viele tolle Manga, dieser gehört nicht dazu! Alles andere von Kaori Yuki, das nicht in 5 Bände gequetscht ist, lohnt sich aber unbedingt. Nur bloß keine Short Stories...