Kann mich meinen Vorrednern teilweise anschließen: So eine lieblos aufgemachte Box hat Ex-Floyd-Frontmann Roger Waters nicht verdient, zumal er wie seine früheren Bandkollegen nach wie vor Wert aufs Visuelle legt. Das kann man in diesem Jahr auch wieder bei seiner "Wall"-Tour feststellen - die im übrigen wohl auch der Anlass ist, die im Vergleich zu Pink Floyd eher unbekannten Soloplatten auf den Markt zu schmeißen.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis geht absolut in Ordnung, diese Box ist direkt als günstig zu bezeichnen. Wer nur die wichtigsten Alben kennen lernen will, kann hier ein Schnäppchen machen. Die Platten im einzelnen:
- The Pros and Cons Of Hitchhiking (1984): Wurde von Waters in den 70ern parallel zu "The Wall" entwickelt, aber erst in der Trennungsphase von Floyd fertiggestellt. Namhafte Musiker (Michael Kamen, Eric Clapton) sind bei diesem Konzeptalbum vertreten. Doch können sie nicht verhindern, dass ein ganz großer Käse daraus geworden ist: wortlastig, atemlos, wenig eingängig. Waters Schwächstes.
- Radio K.A.O.S. (1987): Auch wieder ein Konzeptalbum. Fernab vom typischen Floyd-Klang, eher elektronisch und funkig angehaucht. Dafür aber mit ordentlicher Power. Ein hörenswertes Album, das 1987 neben dem parallel erschienenen "A Momentary Lapse of Reason" der Waters-losen Floyd leider ziemlich unterging.
- Amused To Death (1992): Sieht man über einige Längen hinweg: Ein Konzeptalbum mit Emotionen, tollen Gitarreneinlagen von Jeff Beck und dem typischen Waters-Weltschmerz. Damit kam er am ehesten an die alten Floyd-Sachen heran.
- In The Flesh (2000): Spiegelt die unverhoffte Comeback-Tour auf 2 CDs und der hier beiliegenden DVD wieder, bietet eine interessante Setlist. Von Floyd gibt es neu - durchaus hart - interpretierte klassiker, aber auch eher selten live gespielte Stücke wie "Dogs" und Tracks von "The Final Cut". Daneben Solostücke von "Amused To Death" und das nur hier erschienene "Each Small Cancle", eine der seltenen neuen Kompositionen nach 1992.
- Ca Ira (2005): Die von Waters lange angekündigte selbst komponierte Oper. Eher schwere Kost und wenig melodiös, hat mit "Wall" und Co. allenfalls das Theatralische gemein.
Trotzdem gibt es auch etwas zu meckern. Es fehlt eine ganze Reihe von Stücken, die nicht auf regulären Studioalben erschienen sind - allem voran Filmkompositionen (u.a. von "When The Wind Blows", das sind wahre Highlights, oder auch das neuere "Hello I Love You"), daneben diverse Einzelstücke wie "Leaving Beirut" oder "To Kill The Child". Die Box wäre DIE Chance gewesen, das alles auf eine CD zu packen.
Was auch fehlt: "Music from The Body" (1970). Fällt hier zwar musikalisch aus der Reihe, hätte der Vollständigkeit halber auch dazu gehört. Ebenso "The Wall in Berlin" (1990), die Waterssche Allstar-Aufführung des Epos auf dem Potsdamer Platz.
Deshalb unterm Strich nur drei Punkte.