Ich konnte es kaum glauben, als ich "Road to freedom" das erste Mal komplett durchgehört hatte: Chris de Burgh macht wieder gute Musik!
Vorbei die Zeiten, in denen er in den schleimigen Untiefen nichtssagender Tralala-Songs gegrundelt hat. Statt dessen bietet er hier wieder eine Sammlung gelungener (Halb-)Balladen, die - endlich wieder - von seiner ausdrucksvollen Stimme getragen werden. Ich habe wirklich genau aufgepasst: Kollege de Burgh gleitet nicht ein einziges Mal in sein schmachtvolles Wimmern ab, das seine Veröffentlichungen der letzten Jahre so häufig geprägt hat.
"When winter comes" (ein Instrumental) und das sich anschließende "The road to freedom" erinnern an geniale Balladen aus Zeiten von "The getaway" oder noch früher. Sensationell und wohl einer der besten Songs, die er je geschrieben hat.
"Snow is falling" weiß nicht minder zu gefallen. Auch das etwas poppigere (aber dennoch sehr gute) "The words 'I love you'" schleicht sich angenehm in die Lauschgänge.
"Songbird" fällt dagegen für meinen Geschmack eine Spur zu schnarchig aus, ohne allerdings Attacken des Grauens zu verursachen, die man auf einigen Werken des Künstlers durchleben musste.
"Five past dreams" wartet mit einigen textlichen und musikalischen Zitaten aus "The lady in red" auf, Gott sei Dank jedoch ohne dessen furchtbaren Schmalzfaktor zu erreichen.
"Here for you" ist wieder eine einfühlsame, eingängige Ballade, die ohne weiteres auch auf "The getaway" hätte veröffentlicht sein können.
Tja, und dann kommt er doch noch: Der unvermeidliche grottige Ausrutscher. Denn was CdB uns mit "What you mean to me" antut, grenzt an Körperverletzung. Ölig und glatt wie klischeehaftester Schlager! Wäre da nicht seine Stimme, könnte man dies durchaus für ein weichgespültes Liedchen von Andy Borg oder so halten. Guter Tip: Haltet die Fernbedienung bereit, um diesen Angriff auf den guten Geschmack zu überspringen!
Allerdings fängt sich Chris de Burgh erstaunlich schnell wieder und legt mit "Rose of England" das wohl beste Stück (neben dem Titelsong) auf dem Album vor. Sehr getragen, sehr eingängig. Sehr schön.
"The journey" und selbst das etwas gewöhnungsbedürftige "Read my name" runden das Album ab.
Fazit: Wenn man von dem grottigen Ausrutscher im Mittelteil absieht (und das kann man bei der Fülle gelungener Songs durchaus tun), ist "Road to freedom" das wohl beste Album, das Chris de Burgh seit Veröffentlichung seines Überalbums "The getaway" auf den Markt gebracht hat. Und so hat es sich die Höchstpunktzahl redlich verdient. Weiter so!