[im Original: "Der Weg zur Knechtschaft: Den Sozialisten in allen Parteien"; Erstveröffentlichung in 1948] Dieser Klassiker der Wirtschaftsphilosophie hat trotz seiner Ersterscheinung vor mehr als einem halben Jahrhundert und der bis heute offensichtlich weltweiten Überwindung kommunistischer Diktaturen keineswegs an Aktualität verloren. Beachtlich sind die Thesen von Friedrich A. von Hayek vor allem vor dem weltgeschichtlichen Hintergrund zur Zeit ihrer Entstehung: weder das damalige faschistische Italien noch das nationalsozialistische Deutsche Reich standen in seinen Betrachtungen im Vordergrund, sondern es waren vielmehr diejenigen Terrorsysteme, deren Schrecken erst in unserer Zeit nach und nach in ihrem vollen Ausmaß zutage treten.
Grundlage für Hayeks Streitschrift ist die Erkenntnis, daß Wohlstand und individuelle Freiheit nur dadurch bewahrt werden, daß das Resultat menschlichen Verhaltens nicht im voraus bestimmbar und daher nicht planbar ist. Diese "Ungewißheit" führe zu einer stets größtmöglichen Anstrengung des Einzelnen. Aus der Summe aller dieser einzelnen "Bestleistungen" ergebe sich für die Gesamtheit eine optimale Einkommens- und Vermögensverteilung. Folglich sei das freiheitliche marktwirtschaftliche System - einen funktionierenden Wettbewerb vorausgesetzt - per se sozial gerecht, da es ebenso eine optimale Güterversorgung gewährleiste. Jede Form der zentralen Planung und des Kollektivismus schränkten diese Ausgleichsfunktion der Regulierungskräfte des freien Marktes ein, da individuelle plankonträre Eigenleistungen weder gefördert noch geduldet würden. Zentralverwaltung und individuelle Freiheit seien somit unvereinbar. Hayek wagt sich daher noch einen Schritt weiter, indem er darlegt, daß jede Form des Wohlfahrtsstaates in seiner Art repressive Tendenzen aufweise: Jeder Versuch, die Gesellschaft nach dem Vorbild kleiner steuerbarer Gruppen zu formieren, rufe eine totalitäre Gesellschaftsform hervor.
Friedrich A. von Hayek war einer der wenigen, die mit einer soliden geld- und konjunkturtheoretischen Alternative zu den Lehren des seinerzeit allgegenwärtigen John M. Keynes aufwarten konnten; frühzeitig erkannte er die langfristigen Schäden, die von Keynes' aktionistischen Konjunktureingriffen ausgingen: An die Adresse der Keynesianer gerichtet kritisiert er heftigst deren nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik. Der zunehmende direkte Interventionismus untergrabe jede marktwirtschaftliche Ordnung. Da expansive Maßnahmen politisch stets leichter durchsetzbar seien, als kontraktive, führten sie zu einer unaufhörlich ansteigenden Staatsquote und damit unweigerlich zu strukturellen Budgetdefiziten. Diese wiederum übten unerwünschte Verdrängungseffekte auf Wachstum und Beschäftigung ("crowding-out") aus.
Im Gegensatz dazu und hinführend zu der "angebotsorientierten Konzeption" stehen in Hayeks Modell neben der Verstetigung der Wirtschaftspolitik die Förderung der Wachstumskräfte durch Stärkung der Marktkräfte und der Leistungsanreize ("incentives") im Mittelpunkt staatlichen Wirkens. Die Vernachlässigung immanenter Inflationstendenzen beeinträchtige langfristig die Funktionsfähigkeit des Preismechanismus des Marktsystems. Mit der These, daß unbedingte Preisniveaustabilität eine tragende Säule funktionsfähiger Märkte darstelle, schließt sich Hayeks Argumentation. Daß er als Wirtschafts- und Gesellschaftsphilosoph darüber hinaus ethische Voraussetzungen für derart selbstverständlich und daher für nicht weiter erwähnenswert hielt, sei nur am Rande bemerkt.
Hayeks Ideen bildeten die Basis für die erfolgreich umgesetzten Konzeptionen Milton Friedman's, der im übrigen das ehrenhafte Vorwort zu dieser Ausgabe schrieb. Bedauerlicherweise hat Hayek bis heute in Deutschland nie die Berühmtheit erhalten, die anderen nachfolgenden Nobelpreisträgern der Ökonomie zuteil geworden ist. Zu seinem 100. Geburtstag hat man ihn im Mai 1999 kurzzeitig aus der Vergessenheit zurückgeholt - hoffentlich ein Anlaß, dieses Buch bald auch wieder dem deutschsprachigen Leser zugänglich zu machen...