Als ich hörte, dass Mike Rutherford völlig neue Mechanics um sich geschart hat und ein neues Album herauskommt, war ich echt skeptisch. Andererseits ist Rutherford ein genialer Musiker, der seiner Band einen absolut eigenen Sound verpasst hat. Aber Mike & The Mechanics OHNE Paul Carrack? Kann das gehen? Zugegebenermaßen war die letzte gemeinsame Platte REWIRED von 2004 ein ziemliches Fiasko, kann aber nicht von den vielen legendären Hits der Truppe ablenken. Nun gut, Mike und Paul (Carrack) haben sich bekanntlich vor einigen Jahren verkracht, weil Paul die gemeinsamen M&TM-Hits nicht auf seiner eigenen Best Of veröffentlichen durfte, und ohnehin war nach dem tragischen Tod vom anderen Lead-Sänger Paul Young (All I Need Is A Miracle) wohl auch etwas die Luft raus. Als ich die neue Platte dann kaufte, dachte ich beim ersten Anhören analog zu einem der Songtitel: Oh no! Mir gefiel wirklich nicht, was ich hörte. Mit fehlte die klare, facettenreiche Stimme von Paul Carrack und überhaupt. Roachford und Tim Hovar waren für mich kein Ersatz. War ich zu "eingefahren"? Das musste ich unbedingt herausfinden. Also gab ich der Platte eine Chance und ließ sie im Auto und zu Hause Dauerschleife laufen. Und dann geschah sie, die komplette Wandlung: Ich fing an, diese Platte mehr und mehr zu mögen. Sie ist ein richtiger Sommer-Soundtrack, fein arrangiert und beinhaltet den typischen M&TM-Sound, den alle Fans so lieben. Anspieltipps: Try To Save Me, Background Noise, Heaven Doesnt Care, It Only Hurts For a While, Oh No. Sicherlich sind die neuen Stimmen etwas gewöhnungsbedürftig, aber letztendlich ist es Mike Rutherford, der Band und Sound immer geprägt hat, was er auch jetzt noch mit fein abgestimmtem Gitarrenspiel und dem wohldosierten Einsatz von Synthesizern tut. Und eines muss man den neuen Sängern zugestehen: Sie singen sehr sauber und gefühl- bzw. kraftvoll. Das Konzept von Mike Rutherford ist damit für mich voll aufgegangen. Zu sagen ist noch, dass man diese Platte fast komplett genießen kann, richtigen Füllstoff gibt es nicht. Das war bei M&TM-Alben ja nun - und das muss der größte Fan ehrlich zugeben - wirklich nicht immer so, denn ich habe mir über Ostern alle Alben noch einmal angehört und allein die Platten BEGGAR ON A BEACH OF GOLD von 1995 und M6 von 1999 trotzen nur so von Füllstoff, der im krassen Gegensatz zu darauf befindlichen Songs steht, die zu Recht weltweite Hits wurden. Klare Kaufempfehlung also für THE ROAD. Und wer Paul Young vermisst und zumindest von der Stimme her noch ein bisschen klassisches M&TM-Feeling haben möchte, bestellt sich am besten noch Paul Youngs kürzlich erschienenes Posthum-Album CHRONICLES dazu. Diesen Doppelpack werden garantiert alle M&TM-Fans lieben!