The River: Das Album, das Bruce Springsteen auch in Europa bekannt gemacht und erstmals auch in deutsche Konzerthallen gebracht hat. Mit Hungry Heart, das Springsteen eigentlich für The Ramones geschrieben hat, hatte Springsteen auch seinen ersten Top-Hit in Europa.
Doch dieses fantastische Doppelalbum beinhaltet viel mehr. Kaum ein Boss-Album ist vielseitiger als The River. Da gibt es die Mainstream-Rocker wie The Ties That Bind, Crush on You ("A real masterpiece" Zitat BS), Out in the Street, Two Hearts, Jackson Cage, Cadillac Ranch, das später mit Darlington County auf Born in the USA eine Art Fortsetzung erhielt. Daneben gibt es ruhige Balladen wie der wunderbare Titel-Track mit dieser Wahnsinns-Mundharmonika, das traurig-schöne Independance Day, in dem das angespannte Verhältnis zu seinem Dad thematisiert wird, oder der aus den Sessions zum Darkness-Album stammende Über-Schmachtfetzen Drive All Night mit der für so manchen Fan gewöhnungsbedürftigen, für mich super romantischen Textzeile "I Drive all night, just to buy you some shoes". Weiter enthalten sind echte Party-Kracher wie Ramrod oder Sherry Darling (letzteres ebenfalls aus den Darkness-Sessions) oder Midtempo-Songs wie das traumhaft schöne The Price you pay, ein Song den Bruce Jahre lang nicht live spielte (warum auch immer). Textlich gibt es anspruchsvolle Songs wie der Titel-Track, Point Blank, das wunderbar morbide, melancholische Stolen Car (das auch gut auf das Akustik-Werk Nebraska gepasst hätte) oder das countryteske Wreck on the Highway.
Für Songs wie Crush on You, You can look oder I'm Rocker wird er aufgrund der banalen Texte auch schon mal gescholten, auch für Balladen wie I Wanna Marry You und Fade Away (seinerzeit übrigens nach Hungry Heart die zweite Single). Aber muss denn immer jeder Textk, jeder Song eine Message haben?
Insgesamt handelt es sich bei The River um eine Achterbahn der Gefühle, was besonders deutlich wurde bei dem Konzert im November 2009, als BS das gesamte Doppelalbum einmalig in der exakten Reihenfolge im Madison Square Garden in New York komplett aufführte. Ich hatte das Glück und durfte dabei sein. Live entfalten diese Songs, egal ob die Party-Kracher oder eben die gefühlvollen Songs erst ihre gesamte Wirkung. Da schäme ich mich auch nicht, zuzugeben, dass mir bei Independance Day oder insbesondere bei Drive All Night die eine oder andere Träne in den Augen stand und die Gänsehaut Ausmaße angenommen hat, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Wer das nicht nachvollziehen kann, sollte sich auf YouTube mal das Video zu Drive All Night ansehen, spätestens beim zweiten Sax-Solo vom Big Man ist es um Euch geschehen, wetten?;-)
Damit wäre ich auch bei dem einzigen Kritikpunkt: Die Produktion, der Sound dieses Meisterwerks ist auch hier wieder äußerst bescheiden (wie schon bei Darkness), ein Remastering dringend notwendig oder noch besser: Veröffentlicht das Live-Konzert vom MSG, das es übrigens als Bootleg in hervorragender Klangqualität gibt, denn live ist Springsteen immer nochmal zigmal besser.
Einmal mehr: Danke Bruce für dieses Album!