Eigentlich ganz schön irre - da lösen die Londoner das Ska Revival aus, etablieren sich als regelrechte Hit-Maschine in diesem Genre und keine 3 Jahre nach ihrem Debut veröffentlichen Sie eine Popplatte auf höchstem Niveau und haben Erfolg damit.
Das Geheimnis lag einerseits natürlich an den bemerkenswerten songwriter-Qualitäten die Sie in diesen 3 Jahren entwickelten, andererseits aber auch daran, dass Sie zwar die Richtung änderten, nicht aber ihren sound. No synths, no drum computers, ab und an ein paar dezent gesetzte Streicher und - ganz wichtig - power Klavier Akkorde.
Stilistisch gibt's hier sowieso viel zu bestaunen - von 60ies Pop bis dancehall sound, dezent eingarbeitete Latin Rhythmen, Jazz-Harmonik, indische EInflüsse und, und, und...
Das auffälligste aber: waren Madness bis zu diesem Album eher eine singles Band, so wird man ihnen hier nur gerecht wenn man die Platte ganz durchhört. Selbst sperrige - manchmal fast schräge - songs wie ,New Dehli', ,That Face' oder ,Sunday Morning' bohren sich da unaufhaltsam ihren Weg in die Gehörgänge und gehören einfach zum flow dieser Platte.
Stimmt schon, ausser ,Our House', dem Titeltrack und ,Tomorrow's Just Another Day' sind das vielleicht nicht die Pop-Melodien die der average listener erwartet, dafür ist die Scheibe aber genau deswegen umso nachhaltiger und gehaltvoller.
,Calling Cards' erinnert noch am ehesten an den Ska der Vorgänger Alben, aber das klingt auch schon verstörender und düsterer und passt durchaus zu den melancholischen Kindheitserinnerungen die diese Scheibe zum Thema hat. Schwermütig wird das aber nie. Manchmal etwas schräg, aber mit ,Madness (,Is All In The Mind') bringen Sie zum Abschluss dann einen Bar-Jazz track mit Dancehall Music Refrain und nehmen da schon viel von dem vorweg worauf die englischen Jazz-Pop acts wie Sade oder die frühen Simply Red in den nächsten Jahren ihren sound aufbauen sollten.
Die 30th Anniversary edition bringt noch zahlreiche mixes, B-Seiten und die non Album singles ,House Of Fun' (die der erfolgreichste song der Band werden sollte) und ,Driving In My Car' und rundet die für lange Zeit kreativste und beste Phase der Band perfekt ab. Madness - so ur-englisch wie die Beatles oder die Kinks.