Die Box enthält: "BWV 4, 19, 21, 22, 31, 32, 37-39, 42, 47, 52, 56, 58, 73,76, 79, 88, 106, 108, 127, 140, 160, 164, 176, 178, 180, 199, 202"
Es singen und musizieren:"Johanna Behrend, Edith Berger-Krebs, Agnes Giebel, Gerda Lammers, Gunthild Weber, Annelies Westen, Helmut Krebs, Dietrich Fischer-Dieskau, Walter Hauck, Gerhard Niese, RIAS-Kammerchor, RIAS-Knabenchor, RIAS-Kammerorchester, Karl Ristenpart"
"Für jeden, der sich für die Geschichte der Bach-Interpretation und für die Linien des kulturellen Wiederaufbaus in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg interessiert, sind die Aufnahmen in dieser CD-Box eine bedeutende Bereicherung. Karl Ristenpart baute ab 1946 die Chor- und Orchesterarbeit des RIAS Berlin auf und leitete den RIAS Kammerchor und das RIAS Kammerorchester. Mit diesen Ensembles und aufstrebenden jungen Sängern wie Dietrich Fischer-Dieskau, Helmut Krebs und Agnes Giebel planten Karl Ristenpart und Elsa Schiller, die damalige Leiterin der RIAS Musikabteilung, ab 1947 eine Gesamteinspielung aller Bach-Kantaten. Das Projekt konnte allerdings nicht vollständig verwirklicht werden. Die heute noch im RIAS-Archiv vorhandenen 29 Kantaten dokumentieren ein auch aus heutiger Sicht zukunftsweisendes Bach-Ideal: durch die kleine Besetzung erscheint die Musik transparent und strukturell deutlich, die Sänger kooperieren klar artikulierend mit den Instrumentalisten. Durch diese Interpretation, die sich von aller Monumentalität frei macht, wurde die spätere historische Aufführungspraxis ästhetisch vorbereitet." so die Produktinformation.
Um mit einem erfreulichen Umstand anzufangen. Die Bänder aus der damaligen Zeit sind erstaunlich gut erhalten. Die Stücke sind gut durchhörbar.
In der Tat pflegt Ristenpart nicht den romantisierenden Monumentalstil, der vorherrschend war und insbesondere durch Karl Richter langen die Scene beherrschte.
Aber muss man deswegen diese Aufnahmen kennen, sie haben wollen? Wenn ich heute an Herreweghe,Kuijken, und erst recht Gardiner denke, diese höre, dann sind diese Aufnahmen schlicht entbehrlich. Der Rias-Kammerchor,heute eines der profiliersten Profi-Ensembles,klingt damals noch gar nicht professionell,dabei wählte Ristenpart schon sehr moderate Tempi, etwa bei BWV 31 oder 76.
Sicher Agnes Giebel oder der frühe Fischer-Dieskau haben Interpretationen geliefert, die Gültigkeit haben und die Kombination von Fischer-Dieskau und Ristenpart gefällt mir meist besser als diejenige mit Karl Richter.
Aber lohnt das allein die Anschaffung von neun CDs? Ich meine: Nein.