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Der Elektronik-Opener von Schneider TM führt kurz auf eine falsche Fährte, denn danach wird gerockt. Kompromisslos beißt sich die Gitarre in "When I'm Bored" fest und der funky Bass "To The Saints" klingt wie eine Hommage an die großen Gang Of Four. "Eugene" wäre eine eigene Geschichte wert. Es erinnert stark an den Schluss von "God Save The Queen" der Sex Pistols. "Wegen dieses Stückes kaufte ich mir eine Gitarre und zitierte es noch einmal für mich persönlich. Dass dieses Stück die Singleauskopplung in zwei Teilen mit Remixen von Schneider TM, Notwist, Kreidler oder Turner wurde, ist fast schon ein Witz. Ich glaube, ich fliege auch bei meiner neuen Plattenfirma wieder raus!", so Boa über diesen Titel. Doch das Indie-Urgestein kann auch andere Wege einschlagen und so dominieren elektronische Beats und Sounds auf "Sandy Lee" und "Black Tiger" beschert alte Gitarrenschrammel-Zeiten. Das war damals in den Achtzigern, als jeder Undergroundhörer mit C 86 eine Haltung verband und Bands wie The Jesus And Mary Chain noch Helden waren. Phillip Boa besinnt sich auf seine Ursprünge und blickt dabei gerade nach vorne. Niemand muss dieses Album mögen, Respekt verdient es allemal! --Sven Niechziol
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Verwirrend im Vorfeld war die ganze Interpretations-Geschichte. »The Red« klingt einfach wie eine zeitgemäße Phillip Boa & The Voodooclub Platte. Dieses Mal mehr gitarrenbetont, weniger ruhige Stücke, archaischer und weniger poporientiert. »Eugene«, »Silver Ego« und »When I'm bored« rocken manchmal fast trashig wie eine gute Version vom Voodoocult. »To The Saints« und »Black Tiger« erinnern an den Boa-Pop der frühen Jahre. »Sandy Lee« und »Speed« (mit Sibylle Berg) sind merkwürdig elektronisch und faszinierend. Dann gibt es noch mit »Am I The Object That I See« und »Gallery of Human Errors« zwei kantige und typische Boa-Songs. Der Rest ist eher durchwachsen und beim Intro enthalte ich mich mal meiner Stimme.
Alles bleibt also wie es war. Von Album zu Album verändert und entwickelt sich die Musik, und das auf hohem und in letzter Zeit steigendem Niveau. Fraglich ist es, ob damit neue Hörer gewonnen werden können, den Fans wird »The Red« aber sicher gefallen.
Aber na drei mal hören, grosses Aufatmen und Begeisterung pur!!!! Boa hat sich konsequent weiterentwickelt. My Private War hört man stellenweise noch raus, aber er geht wieder weiter neue Wege (auch wenn sie manchmal an alte Sachen, wie "alter" Iggy Pop, früher Techno oder Sex Pistols erinnern). Neue Wege gerade deshalb, weil Boa ungeniert alles miteinander zu einem neuen Sound zusammenformt. Klar, Boa wird keine neue Stilrichtung mehr prägen, er wird wohl auch keinen Nr. 1 Hit singen. Aber er schreibt immer noch sehr schöne Melodien, interessante Breaks, colle Lyrics und ist absolut "respektlos" was die Zusammenarbeit mit Remixern, DJs und Produzenten angeht. Insgesamt ist es vor allem aus meiner Sicht schön, dass Boa wieder etwas "härter" und gitarrenorientierter zu Werke geht und gleichzeitig "reifer" wirkt als in den alten Tagen. Ach, und ja, er schreibt immer noch soooo schöne Pop-Lieder, die sich nie nach Kaufhausgedudel und Hit-Radio anhören, aber zum Pogen, Singen und Freuen eignen!
Besonders hörenswert sind "Where The Raingods Meet", "Silver Ego", "The Black Tiger" und "The Gallery Of Human Errors".
Das einzige was bleibt: Ich wünsche dem Mann und seiner Band endlich den "Durchbruch" und die Anerkennung beim Publikum die er verdient.
Weiter so, Freue mich schon aufs nächste Album in 2002!
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