Werden, wie mir scheint, immer mal wieder dem Post-Metal-Lager zugerechnet, klingen aber gar nicht so. BARONESS' Sound ist viel näher am Metal/teils sogar Hardrock, mit einem ordentlichen Prog-Anteil. Hier wird z.B. gern ausufernd dem 2-stimmigen Gitarrenspiel gefrönt, und mehr oder weniger groß angelegte Arrangement- und Taktsprung-Sauereien geben sich die Klinke in die Hand. Aber alles, was man an handelsüblichem Metal sch*#!e finden kann, haben Baroness säuberlich aus ihrem System eliminiert: 4 schlanke, teilweise bärtige, in Jeans- und T-Shirt gekleidete Männer, der Drummer hat ein Double-Kick-Pedal aber eben keine 2 Bassdrums, und man konzentriert sich auf die Musik. Ergo auch kein spackiges Rumgeturne in albernen Ritterkostümen. Die Vocals bewegen sich manchmal an der Grenze zum eher kultivierten Growl, meistens wird mit heraustretenden Stirn-Arterien schön auf den Ton gebrüllt. Der Gesang wird nicht standardmäßig wie das persönlichkeitsmäßige Zentrum der Musik eingesetzt. Wenn er kommt, dann in Form meist zweistimmiger, energischer Chants; sehr kraftvoll und männlich aber ohne Testosteronvergiftung. Die Texte sind kurz und prägnant, es bleibt reichlich Platz für ausgedehnte Instrumentalteile. So weit, so sympathisch. Das Zusammenspiel ist wunderbar tight, die Einsätze und Wechsel alle auf den Punkt, aber die Musik atmet wie ein lebendes Wesen, dessen Körperform und Haptik irgendwo zwischen galoppierendem Pferd und springender Großkarte rangieren. Muskulös, schnell, geschmeidig und aggressiv. "Red Album" wird über weite Strecken live eingespielt worden sein, und bei "The Birthing" knarzt es an einer Stelle sogar ein bißchen im Gebälk. Aber das haben sie so gelassen, weil sowas ja mal passieren kann. Nett. Einzelne Stücke hervorheben zu wollen, fällt schwer, weil vor allem im ersten Drittel alles ineinander übergeht, so daß der Charakter einer Suite entsteht. Die Tonart wechselt selten, die Stücke glänzen eher durch einen geilen Part nach dem anderen denn durch klassisch-hochwertiges Songwriting. Trotzdem kommt keine Langeweile auf, und man wartet gespannt auf das nächste Über-Riff. Und es kommen immer wieder welche. Lediglich "Grad", letztes Stück vor dem fragmentarischen "Secret Track" und elektrischer Cousin des beinah lyrischen Westerngitarren-Instrumentals "Cockroach En Fleur", geht mit seinen monolithischen Drop-Tuning-Läufen tatsächlich in Richtung Post Metal/Rock und ist gleichzeitig der wahrscheinlich schönste Moment der Platte. Auch wenn das "Blue Album" [2009] diese Qualitäten nicht ganz (aber so ziemlich) halten konnte, steht Baroness mit Sicherheit eine größere Zukunft bevor, wenn sie so weitermachen. Und ich habe das Gefühl, sie können noch besser werden! Nichtsdestoweniger ist "Red Album" erstmal top!