Der Film hat zwei große Puls- und leider auch einen Minuspunkt.
Pluspunkte:
Eie Besetzung ist dem Film angemessen, glänzend in seiner Rolle ist ein gut aufgelegter Willem Dafoe, der den eigentlichen Hauptdarsteller einige Male verblassen lässt. Daß der "Bösewicht" Vincent Cassel im Großteil des Filmes viel zu kurz kommt und dann gegen Ende hin eine etwas blasse Vorstellung abliefert, liegt nicht am Schauspieler, sondern eher am Script/Schnitt, die einige Zusammenhänge leider nicht wirklich gut verständlich macht.
Ein weiterer Pluspunkt ist die m.E. gute Zeichnung der frühmittelalterlichen Umgebung zur Zeit John Lacklands. Ohne überzogen "saubere" Städtchen-Idylle oder glamouröse Aufmärsche zu zeigen, bringt der Film eine glaubwürdige Darstellung. Nicht in der Radikalität wie etwa der (humoristische) Klassiker "Jabberwocky", aber doch glaubhaft. Dies unterstützt wesentlich den Blickwinkel "von unten" der Erzählung, also nicht aus dem beliebtem Ritter- und Adelsmilieu. Das hat natürlich auch zur Folge, daß derjenige, welcher die klassischen Kampf- und Turnierszenen eines Ritterfilms sucht, hier nicht auf seine Kosten kommt.
Minuspunkt:
Die Idee, ein Kriminalstück vor mittelaterlicher Kulisse im CSI-Stil, also nicht so mystisch-verklärt wie in "Der Name der Rose" zu inszenieren ist sicherlich lobenswert. Das Problem ist nur, daß der Film dasnn darunter leidet, daß eben die Aufklärung dieses Verbrechens, das Theaterwesen zu dieser Zeit und dessen spezifische Probleme, die "zerrissene" Biographie des Hauptdarstellers und eine zeitgenössische politische Intrige etwas mehr Zeit gebraucht hätten. Man begreift zwar schon die Handlungsstränge, aber keiner von Ihnen befriedigt in seiner Darstellung wirklich. Ein, zwei Elemente weniger hätten dem Film sicher gutgetan.
Insgesamt bewerte ich ihn dennoch mit 4 Sternen, weil er zum einen handwerklich gut gemacht ist und interessante Charakterstudien zumindest im Ansatz bietet, und die Konzeption an sich ungewöhnlich genug ist, um ihn abseits der üblichen "Ritter in strahlender Rüstung"-Filme sehenswert zu machen. Für den fünften Stern fehlt mir etwas die Tiefe der Charakterstudien und ein etwas griffigerer Handlungsstrang, der den Zuschauer etwas weniger verwirrt. Für den Liebhaber eines im ungewöhnlicheren Settings angesiedelten Krimis jedoch ein guter Griff.