Unser Zeitalter scheint ein in sich sehr Widersprüchliches zu sein. Viele hatten prognostiziert, dass der Glaube an Gott in einer hoch gebildeten und hoch technologisierten Gesellschaft bald der Vergangenheit angehören würde. Aber trotz wissenschaftlicher und technischer Fortschritte und Durchbrüche haben religiöse Gruppen eine starke Zunahme an Anhängern zu verzeichnen. Und unter Nobelpreisträgern und herausragenden Wissenschaftlern sind auch immer wieder bibeltreue Christen zu finden. (Der Rezensent selbst ist Christ und promovierter Biologe). Das wiederum zeigt, dass Glaube und Wissenschaft sich nicht notwendigerweise ausschließen müssen, Glaube und Intellekt schon gar nicht. Beststeller wie der "Gotteswahn" (The God delusion) von Richard Dawkins und Bücher von Sam Harris und anderen versuchen jedoch den Eindruck zu vermitteln, dass Religion generell etwas Schädliches ist und abgeschafft gehört. Auf diese Weise vergrößern sie die Kluft, die ohnehin schon zwischen Atheisten und Gläubigen existiert.
Timothy Keller, ein Pastor aus New York, versucht hingegen einen anderen Weg einzuschlagen. Er scheint ganz bewusst den Dialog zu suchen. Sowohl Atheisten als auch (hier in diesem Fall) Christen sollten wissen, weshalb sie sich für die eine oder andere Seite entschieden haben. Und sie sollten ihre Weltanschauung und ihr Glaubenssystem auch gut begründen und im Vergleich mit anderen Glaubenssystemen verteidigen können. Typische Fragen von Nichtgläubigen sind zum Beispiel: Wie kann ein guter allmächtiger Gott so viel Leid zulassen?, Ist das Christentum nicht eine Zwangsjacke?, Wie kann ein liebender Gott Menschen in die Hölle werfen? etc. Auf alle diese Fragen gibt Keller sehr profunde und anschauliche Antworten. Während Keller im ersten Teil des Buches eine Antwort auf Kritiken zur christlichen Lehre gibt, versucht er im zweiten Teil positiv zu argumentieren, weshalb ihm Glauben an Gott im Allgemeinen und Glauben an die Doktrin des Christentums im Speziellen die Weltanschauungen liefern, die rational am plausibelsten erscheinen. Für alle, die also eine solide Einführung in die Argumente für das Christsein bekommen wollen, (was sowohl für Christen als auch für Nichtchristen gilt), ist dies das Buch der Wahl.
Das Buch lässt sich Großen und Ganzen ganz gut lesen, ohne oberflächlich zu sein. Die angeführten Beispiele helfen der Veranschaulichung seiner Argumentation. Und Keller zeigt insgesamt, dass er ein exzellenter Schreiber ist, ganz in der Tradition des großen C.S. Lewis.