Seltsame Dinge gehen in den Slums von Rio de Janeiro vor sich: Klimaanlagen surren in Wellblechhütten, in heruntergekommenen Läden mit Kunsthandwerk bezahlen Kunden mit Kreditkarte und das Bier in den zahlreichen Bars kommt wie selbstverständlich aus dem Kühlschrank! Möglich macht das alles die schöne neue Globalisierung - zumindest wenn man Tomas Larsson glauben schenken will.
Der Wirtschaftsjournalist hat nämlich eine ganz eigene Sicht auf die Auswirkungen der Globalisierung. Vom Thailändischen Landbordell über Chinesische Spielzeugpuppen zeigt er, dass diese hauptsächlich eine Chance für die unterentwickelten Länder ist, durch Teilnahme am Welthandel den wirtschaftlich und damit auch sozialen Aufstieg zu schaffen. Der Titel seines Buches verdeutlicht dies: „The race to the top!" In rasanter Geschwindigkeit streben die bisher unterentwickelten Ländern nach einem Platz an der Sonne - oder zumindest in der Nähe der USA.
Die Möglichkeiten und Probleme die sich durch eine Teilnahme am Welthandel ergeben, zeigt Larsson nicht anhand abstrakten Datenmaterials. Vielmehr schildert er in Anekdoten, was Globalisierung z.B. für die Indio-Frau im Regenwald von Borneo bedeutet: Durch die Produktion für den Weltmarkt - in diesem Fall handgewebte Kleidung für die Märkte in Paris und New York - entsteht eine neue Mittelschicht die den Spagat zwischen Tradition und Moderne erfolgreich meistert. Von Taiwan über den Balkan nach Lateinamerika zeigt er, in welchem Ausmaß die Menschen von einer Öffnung des Weltmarkts profitieren. Wo vor 15 Jahren noch der das Fahrrad als Hauptverkehrsmittel fungierte wie in Taiwan, fahren nun die Angestellten der hochmodernen Chipfabriken mit schicken Autos in die Arbeit. Doch der vermeintliche Segen des globalen Welthandels trügt, denn durch die protektionistische Politik der wirtschaftlichen Großmächte, namentlich der EU und der USA, werden ganze Wirtschaftszweige in den sich entwickelnden Ländern zerstört. Dabei verfolgen die westlichen Industrieländer eine verkehrte Logik: einerseits predigen sie den Welthandel, andererseits schotten sie sich durch „Anti-Dumping" Maßnahmen die den heimischen Markt schützen sollen, in Teilen vom Welthandel ab und verstecken sich hinter einer „protektionistischen Mauer". Diese Mauer einzureißen stellt für Larsson eine der wichtigsten Bedingungen dar, um eine weltweite und nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen. Als Beispiel für diese verfehlte Politik dient unter anderem eine thailändische Fahrradfirma die bis 1993 90 % ihrer Mountainbikes nach Europa exportierte. Nachdem diese zum Schutz der europäischen Fahrradindustrie mit Importabgaben belegt wurden, fanden sich keine Käufer mehr für die nun verteuerten Produkte. Die Firma entließ jeden dritten Arbeiter!
Obwohl seine Beispiele durchaus unterhaltenden Charakter haben, sind sie doch zu extravagant um daraus generalisierbare Schlüsse ziehen. Er beschreibt nur Schnappschüsse seiner sehr persönlich erfahrenen Globalisierung. Leider verliert er dabei jedoch die Probleme aus den Augen, die ein weltweiter Freihandel mit sich bringt. Durch die Öffnung des Kaffeemarkts sind Bauern weltweit von den niedrigsten Kaffeepreisen die es je gab betroffen. Das ganze Dörfer ihre Existenzgrundlage verlieren, nur weil der Handel eben „frei" und nicht reguliert, d.h. mit Mindestpreisen und Anbauquoten funktioniert, erwähnt Larsson mit keinem Wort. Für ihn heilt der Markt alle (wirtschaftlichen) Wunden. Larsson schreibt somit erheblich an der Realität vorbei. Er erkennt er nicht, dass gerade die Tigerstaaten wie Südkorea oder Singapur ihren wirtschaftlichen Aufschwung nicht dem freien Welthandel, sondern ganz im Gegenteil einer sehr kontrollierten Handelspolitik verdanken.