Der Tonträgermarkt weist wahrlich keinen Mangel an "Troubadour"-Einspielungen auf, und es gibt sogar darunter einige, die Sonderklassen-Rang beanspruchen können. Aber ich finde, daß neben Renato Cellinis (RCA) legendärer Produktion von 1952 mit einem traumhaften Sängerquartett (Milanov/Barbieri/Björling/Warren) und Karajans (EMI) Aufzeichnung von 1956, an der u.a. Maria Callas und Giuseppe di Stefano mitwirkten, die hier vorliegende Londoner Aufnahme von 1970 auch heute noch erste Wahl ist. Sie wurde im Gegensatz zu den vorher genannten Einspielungen in Stereo produziert, und das ist natürlich bei einer solch farbenreichen Partitur wie Verdis "Trovatore" ein nicht zu unterschätzender Vorteil.
Wenn auch Cellini, wie oben bereits erwähnt, insgesamt über die besten Sänger verfügt, so muß man der Aufnahme von Zubin Metha bescheinigen, daß sie ebenfalls eine illustre Sängerschar aufzubieten hat und außerdem die Partitur ohne jede Kürzung zum Erklingen bringt. Leontyne Price singt hier bereits die Leonora zum zweiten Mal auf Platten, und gegenüber ihrer Darstellung von 1959 (RCA, unter Arturo Basile) hat sie ihre darstellerische Leistung noch einmal beträchtlich gesteigert. Gesanglich ist sie in beiden Aufnahmen in großer Form, mir scheint sogar, daß die Gesangsbögen in den großen Arien des 1. und 4. Aktes bei Metha noch ausgeformter herauskommen. Die Rolle der Zigeunerin Acuzena war Fiorenza Cossotto wie auf den Leib geschrieben, ihre Atemreserven sind wahrhaft staunenswert, und Kraft und Glanz ihrer wunderbaren Mezzo-Stimme kann man gar nicht genug rühmen. Der damals junge Plácido Domingo verfügt über eine schöne, biegsame Tenorstimme, und wenn er auch nicht Björlings Strahlkraft in der Stretta aufbieten kann, so hat er hier doch eine Sternstunde gehabt. Nicht ganz so erfreulich scheint mir der Graf Luna von Sherrill Milnes, er singt zwar tonschön und sorgfältig, kann aber darstellerisch an Leonard Warren (bei Cellini) nicht heranreichen. Die übrigen Rollen sind angemessen besetzt, wobei ich dem Ferrando des Bonaldo Giaiotti noch ein Extralob spenden möchte. Er singt die oft etwas vernachlässigte Rolle mit Sorgfalt und klangreinem Ton. Der Ambrosian Opera Chorus (Chorleitung: John McCarthy) ist eine Spitzenformation, großartig besetzt in allen Lagen, und das New Philharmonia Orchestra London war zum Zeitpunkt der Aufnahme in bester Form und hat keine Mühe, die Orchester der anderen genannten Produktionen klar zu übertrumpfen.
Der indische Dirigent Zubin Metha hat die Partitur sorgfältig studiert und erfreut durch seine zurückhaltende, werkgetreue Gestaltung. Er nimmt der Oper einiges von ihrer plakativen Wirkung, dafür hört man in seiner Version Feinheiten und Nuancen, die man in diesem schlagkräftigen, plakativen Werk gar nicht vermutet hätte.
Die Klangtechnik ist gut, aber nicht überragend, der Rauschpegel ist relativ gering. Schade, daß das an sich ordentliche Textbuch nicht die Übersetzung des Libretto in deutsch bringt. Ansonsten sind keine Abstriche zu machen. Die Aufnahme sollte Eingang in jede gute Operndiskothek finden.