"The Purging Of Kadillus" ist wieder mal typische Durchschnittsware in der Serie "Space Marine Battles". Die Thematik um die drohende Invasion von Piscina IV durch die Ork-Horden (ja, schon wieder Orks...) zweier eigentlich verfeindeter Waaaghbosse, die in diesem Fall nur durch die Dritte Kompanie der Dark Angels unter dem Kommando von Captain Belial aufgehalten werden kann, kann einfach zu keinem Zeitpunkt mit dem Niveau von "Helsreach" mithalten. Auch dort ging es um Orks, aber gerade in Punkto Charakterentwicklung und Tiefgang hatte der Roman um die Black Templars eindeutig mehr zu bieten.
"The Purging Of Kadillus" liest sich locker, schnell, leicht, aber eben auch ohne den Hauch von Dramatik. Beinahe teilnamslos liest man über die Seiten hinweg (von der tödlichen Bedrohung durch die Invasion kommt so gut wie nichts rüber), registriert mit ziemlichem Gleichmut den Tod von Freund wie Feind und fragt sich zwischendurch auch leider immer wieder, welcher Orden denn da grade überhaupt charakterisiert wird. Denn die Dark Angels selbst sind als Orden völlig austauschbar - da helfen auch die vereinzelten lateinischen Aussprüche oder Erwähnungen ihres Primarchen nicht wirklich.
Von den bislang stets betonten Tugenden oder Charakterzügen ist leider weit und breit nichts zu sehen. Plasmawaffen? Vorhanden, aber nicht mehr oder weniger als bei allen anderen Orden scheinbar auch. Kuttentragende Veteranen oder Ordenspriester, die mit Weihrauchfässern behangen sind und fanatische Reden schwingen findet man ebenso wenig oder nur am Rande - selbst Boreas, den man schon aus "Angels Of Darkness" kannte und der dort den Verräter Astelan verhört und gefoltert hat (im Übrigen ist dies eine nette Idee, immer wiederkehrende Charaktere einzubinden!) wirkt hier nicht anders als ein normaler Space Marine mit Crozius und Rosarius. Deathwing und Ravenwing bekommen ebenfalls nicht mehr als einen Cameo-Auftritt. Auch dass es sich bei den Dark Angels um eine selbst für Astartes verschwiegene, in sich gekehrte und Mutanten, Metamenschen und nicht selten auch menschlichen Alliierten gegenüber sehr feindselige Bruderschaft handelt, kommt hier kaum zum Tragen.
Gerade die Dark Angels, die so viel Schuld auf sich geladen haben und seit 10.000 Jahren nach Sühne und Absolution streben, hätten so viel mehr Potential gehabt, einen düsteren, "erwachsenen" Space Marine Battles-Roman zu tragen, aber Gav Thorpe ist leider nicht Christopher Nolan, der die verkitschten Batman-Filme der 90er mit einem erhabenen und dunklen "The Dark Knight" hinweggefegt hat, sondern er geht auf Nummer sicher und macht aus "The Purging Of Kadillus" einen unspektakulären, spannungsarmen Fließbandroman. Sicherlich nicht richtig schlecht, aber auch weit entfernt davon, gut zu sein. Im Übrigen schon fast charakteristisch, dass das Buch erst dann wirklich packend wird, als es gegen Ende zu einer der entscheidenden Schlachten um Koth Ridge kommt und die Geschehnisse hier aus der Sicht eines menschlichen Soldaten geschildert werden.