Ohne den "Qualitätsstempel" Pink Floyd hatte Waters es wahrlich nicht leicht, Erfolge zu erzielen. "Pros" verkaufte sich leider nur mäßig, zu Unrecht, wie ich finde.
Das Album, das stellenweise an "The Wall" und "The Final Cut" erinnert, ist ein beinahe surreales Hörerlebnis, das dem aufmerksamen Hörer die Gefühle quasi einhämmert, selten habe ich so viel von mir in Musik wiedererkannt. Die hörspielartigen Soundeffekte und Stimmen verhelfen dem auch noch zu besonderem Glanz.
Ein Schauer läuft einem über den Rücken, das Herz schlägt schneller, wenn sich der Protagonist in den Waters-typischen unheimlich ehrlichen Liedtexten und eingängien Melodien in seinen Träumen seinen größten Ängsten und Fantasien ausgesetzt sieht, die durch die Harmonie und Rythmus exzellent in Szene gesetzt werden.
Sehr hilfreich sind dabei die sehr guten "Hilfsmusiker" wie zum Beispiel Eric Clapton, der mich hier sehr überrascht hat, denn normalerweise langweilt seine Musik mich doch sehr oder David Sanborn, der das Saxophon sehr gut an die progressive, kraftvolle Musik anpasst, wie man es selten gehört hat, Andy Newmark am Schlagzeug und Michael Kamen am Piano und als Arrangeur für die Streicherparts.
Allen voran, trotz eher mittelmäßiger Technik auf Gitarre und Bass, natürlich Waters, der fantastisches Songwriting und vor allem virtuose Dramaturgie abliefert. Sein Gesang wird oft kritisiert, dennoch schaffen es wenige Sänger, sich so sehr in ihre Lyrik hineinzuversetzen und zudem hat er einen sehr eigenen Stil, der einfach auf seine Weise gut klingt.
Das Werk, das zwar zum größten Teil sehr melancholisch und pessimistisch daher kommt, löst sich am Ende zu einem Happy End, das nicht zu kitschig ist und gewisse Dinge ungewiss lässt, hier ist viel Interpretationsspielraum für den Hobbyphilosophen
Alles in allem hat sich "The Pros and Cons of Hitch Hiking" seine 5 Sterne ehrlich verdient, allerdings kann man hier kein Pink Floyd-Album erwarten, was es ja auch nicht ist.