The Pro gibt es inzwischen auch in einer deutschen Übersetzung (von Jörg Krismann), die bei Panini erschienen ist. Im Vorwort verrät Garth Ennis einige, nicht ganz ernst gemeinte, Details zur Entstehung dieses Comics.
Die Story wirkt wie die Idee von 18-jährigen Comic-Nerds, die sich spontan über die Helden ihrer Kindheit lustig machen. Der supergute, superreine Superman muss dran glauben. Wer Superkräfte hat, der muss konsequenterweise auch eine Superejakulation haben - das ist eine der lustigsten Szenen dieses Comics!
Aber nochmal von Anfang an. Die Hauptdarstellerin dieser Superhelden-Parodie arbeitet als Prostituierte (im Comic werden aber nur die beiden, anderen, weniger vornehmen Berufsbezeichnungen verwendet) auf der Strasse. Sie ist allein erziehende Mutter und ist mehr als abgeklärt und ohne Illusionen. Aber sie ist nicht allein! Ein Spanner, oder Späher aus dem All (natürlich ein grünes Wesen, wie in Tim Burtons Mars attacks), beobachtet sie und verleiht ihr Superkräfte, damit er beweisen kann, dass in jedem Menschen das Potential zu wahrer Grösse steckt. Edle Worte von jemandem, der immer Handcreme und Kleenex in der Nähe seiner Überwachungsbildschirme bereit hält.
Bis hierhin ein klassischer Ennis.
The Pro schliesst sich der JLA an, die hier aber doch etwas anders ist als von den DC-Comics gewohnt. Batman (heisst bei Ennis: Der Kühle Ritter) und Robin (Der warme Knappe) haben ein sehr sonderbares Verhältnis zueinander, Superman (heisst hier: Der Super-Heilige, inklusive Heiligenschein über dem S) ist total verklemmt und krankhaft schüchtern, Green Lantern (Die Grüne Limette) ist jemand, der "unglaubliche Dinge in grün kreiert" und der Flash heisst hier "Der Flitzer" und sieht auch so aus.
Ab hier ein etwas zu schlampiger Ennis.
Lächerliche Gegenspieler, scheinheilige Helden, die ohnehin nie da sind, wenn man sie wirklich brauchen würde (am 11.9. mussten sie gegen Ovulator kämpfen, wie sich Der Flitzer erinnert, nachdem The Pro der Liga eine Standpauke zum Unsinn des Superheldentums gehalten hat, die sicherlich auch Garth Ennis aus der Seele spricht).
Ab da an und bis hin zur Bonusstory "Die Super-Schlampe gegen Nuttella" wieder ein gewohnt furioser Garth Ennis. Allerdings erreicht The Pro bei weitem nicht die Klasse von Preacher und Wormwood. Ein Vergleich zu Watchmen wäre sehr weit hergeholt. The Pro ist für die Comics, was Punk für die Rockmusik war, hingerotzt, respektlos, energiegeladen, übermütig, lustig und vor allem: überfällig! Kick-ass geht mehr in die Tiefe als The Pro, ist dafür aber schon fast wieder zu ernst.
Politisch unkorrekt, zu albern, zu übertrieben? F... it! Enjoy!