Das Erbe der legendären Weilheimer Studios wird nicht mehr alleine nur von The Notwist in die Welt getragen – der Leipziger Fabian Schuetze besitzt einen ähnlich reduzierten Pop-Appeal und betreibt mit seinem Projekt Me And Oceans die Reduktion aufs Nötigste. Eine gewisse Spleenigkeit hat noch nie geschadet. Als sich Console Ende der Neunziger die stark Gitarren-dominierten The Notwist vornahm und ihren Sound komplett umarrangierte, konnte er dies zwar nicht wirklich erklären, fand aber, dass das besser zur Band passen würde. Ob Fabian Schuetze von dieser gefühligen Vorgehensweise beeinflusst wurde, lässt sich nicht klären, aber der Geist der ebenerwähnten Weilheimer Band durchquert auch sein zweites Release "The Pond" an mehreren Stellen. Nicht, weil es ein Abziehbild geworden ist, sondern weil Me And Oceans ähnlich viele Räume für Sounds lassen, die auch The Notwist stets für richtig halten. Dabei ist es dem Leipziger hoch anzurechnen, dass er trotz seiner vielen Klicks'n'Cuts-Anleihen nie den eigentlichen Song aus den Augen verliert – Tracks wie "When I Was A Dancer" (gemeinsam intoniert mit Freund und Kollege Arpen von Mud Mahaka) oder "Sept/Okt" nutzen Fender, Orgel, Streicher-Schichten genauso wie Akustikgitarren und Bläsersätze. Hinzukommt Schuetzes Stimme, die meist an Tom Waits mahnt und mit grummelndem Charakter das Ergebnis niemals lieblich klingen lässt. Zweifelsohne darf behauptet werden: "The Pond" ist ein tolles Album geworden und zeigt, dass in Deutschland nicht allein nur Berlin das Nonplusultra innerhalb der Musikszene ist, sondern elektronische Alben auch in Sachsen zur Vollendung kommen können. Me And Oceans – "Another Weekend" Freilich ist das Ganze mit gerade einmal sechs Songs viel zu kurz geraten – wird mancherorts als EP verhandelt – und wenn Me And Oceans demnächst den großen Bruder auf eine Dreiviertelstunde ausweiten, dann funktionieren die Gute-Nacht-Lieder von "The Pond" wohl noch besser. Im Vergleich zu Songs wie "Lakes" sind die Tracks hier ein Stück zwingender, dringlicher und werden auf der Bühne den vollen Sound-Nerd-Charakter offenbaren. Im Studio hat Fabian Schuetze auf alles Unnötige verzichtet und die vielen Pausen der Song geschickt für deren Grundstimmung genutzt. Mehr als all das möchte dieses Kleinod von Me And Oceans nicht sein und muss es auch nicht: Blaupausen können andere, hier hat sich jemand an den technischen Möglichkeiten ausprobiert und kommt bewusst eigen daher. Reduzierung aufs Nötigste, "The Pond" zeigt wie das geht. Marcus Willfroth VÖ: 16.03.2012 Label: Analogsoul/Kick The Flame/Broken Silence Tracklist: 1. The Pond 2. Pass By 3. When I Was A Dancer 4. Another Weekend 5. Sept/Okt 6. Giant II 7. Josephine
Kurzbeschreibung
Minialbum mit 6 neuen Singer-Songwriter-Perlen von ME AND OCEANS aka FABIAN SCHUETZE auf dem künstlereigenen Label ANALOGSOUL in Kooperation mit KICK THE FLAME. In den letzten Jahren war FABIAN SCHUETZE mit diversen Formationen aktiv, hat mit JAARA Singer-Songwriter-Alben aufgenommen und elektronische Loopjazz-Symphonien mit A FOREST auf Clubbühnen gespielt. Nach dem Debut 'Lakes' (2010) folgt nun mit 'The Pond' die zweite Veröffentlichung mit dem Soloprojekt ME AND OCEANS. Mit Fender Rhodes, Orgeln, Streichern, Schlagzeug, Synthiebässen, Akustikgitarren und Bläsersätzen schafft der Leipziger einen feingewebten, hochästhetischen Klangteppich, über den er mit unverkennbar sonorer Raspelstimme seine introspektiv-lyrischen Texte singt. Aufs Wesentliche reduziert und gleichzeitig sehr eingängig, entstehen auf 'The Pond' 6 Songperlen, die zwischen Pop, Indie, Singer- Songwriter und Soul oszillieren. CD im Pappschuber mit gefaltetem Hochglanz-A3 Plakat.