Es ehrt Stewart Copeland, dass er versucht hat, diesen Film fast im Alleingang und mit viel Herzblut zu stemmen. So hat er fast alle Aufnahmen dieser Dokumentation seinerzeit selbst gefilmt, später aus bestehender Musik von "The Police" ein paar interessante neue Klangteppiche gebastelt und auch ein Grossteil des Bildschnitts und der gesamte Kommentar stammen von ihm. Ein guter und unterhaltsamer Film ist ihm leider nicht gelungen.
Bei "Everyone Stares: The Police Inside Out" hat man das Gefühl ein langatmiges Urlaubsvideo zu sehen, an dem man schnell die Lust verliert. Natürlich ist es interessant, so viele nie zuvor gesehene Filmaufnahmen erstmals sehen zu können. Besonders die Konzertaufnahmen sind toll und zeigen was für eine fantastische Liveband "The Police" waren. Auch die Aufnahmen von Städten und Menschen und deren Kleidung sind ein schönes Zeitdokument. Aber das war es auch schon. Zu oft begleitet Copeland seine Bandmitglieder und die Crew bei ihren krampfhaften Versuchen witzig zu sein. Allesamt versuchen sie etwas für die Kamera zu spielen, und nur selten hat man das Gefühl mal die wirklichen Menschen zu erleben.
Der Film ist zwar chronologisch aufgebaut, aber die Auswahl der Musik unter den Bildern ist sehr irreführend. So laufen ständig Lieder vom nächsten oder übernächsten Album zu Filmaufnahmen aus einer viel früheren Zeit. Stewart Copelands Kommentar gibt nur unzureichend Auskunft darüber, welches Album zur Zeit der jeweiligen Bilder gerade aktuell ist, oder was sich innerhalb der Band zu diesem Zeitpunkt getan hat. Am Ende löst sich die Band auf und zu den Gründen, sagt Copeland gerade mal drei Sätze.
Überhaupt ist der sehr oberflächliche Kommentar vielleicht der grösste Schwachpunkt des Films. Copelands launig-bemühter Humor ermüdet auf Dauer. Er wagt es leider auch nicht, Dinge zu erzählen, die man als Police-Fan nicht ohnehin schon wusste und die über Plattitüden aus dem Rocklexikon hinausgehen. Es gelingt ihm zu keiner Zeit einen Spannungsbogen aufzubauen und der wäre dringend notwendig gewesen, angesichts der sich ständig wiederholenden Szenerien, die man irgendwann kennt (Band auf Bühne, Band albert im Hotelzimmer herum, Band mit Fans, Band im Studio). Hier wäre die Möglichkeit gewesen, durch einen unterhaltsamen oder konträren Kommentar den Bildern einen sinnvollen Rahmen zu geben und etwas über die unterschiedlichen Charaktere der Band zu erzählen und deren Miteinander. Aber all das findet einfach nicht statt. Obwohl man private Filmaufnahmen sieht, hat man am Ende rein gar nichts privates über Sting, Andy Summers und Stewart Copeland erfahren, außer dass sie zusammen in einer grossartigen Band gespielt haben und nur bedingt als Komödianten taugen. Die Menschen, die diese Band ausgemacht haben, bleiben völlig außen vor. In diesem Sinne ist "Everyone Stares: The Police Inside Out" leider gerade kein intimes Portrait der Band.
Man merkt dem Film an, dass Copeland versucht hat, niemandem weh zu tun und das in der Öffentlichkeit bestehende harmlose Bild der Band bewahren wollte. Dabei waren "The Police" eine Band, deren Mitglieder untereinander so verstritten waren, dass sie sich gegenseitig verprügelten. Man braucht nur mal das erste und einzige Reunion-Interview der drei Ex-Polizisten zu lesen, dass sie vor Jahren der Presse gegeben haben. Da geht es um Drogen, Gewalt, Hass und Neid und man hat das Gefühl, dass auch so viele Jahre nach dem Ende der Band die Dinge zwischen ihnen sofort wieder eskalieren könnten. Stewart Copeland hätte mit Sicherheit einen Haufen interessanter Interna und Anekdoten zu erzählen. Leider behält er sie allesamt für sich und und das macht "Everyone Stares: The Police Inside Out" für mich deshalb zu einer mittleren Enttäuschung.