Gary Numan wurde nicht umsonst gerne als "Grandfather of New Wave" bezeichnet. Mit seinen beiden Alben "Replicas" und "The Pleasure Principle" hat er 1979 zwei Meisterwerke geschaffen, die man getrost als Pionierleistungen der elektronischen Popmusik betrachten darf. Während "Replicas" abgesehen von dem Nummer Eins-Hit "Are 'Friends' Electric?" eher ein im "herkömmlichen" Stil (gleichwohl jedoch meisterhaft gelungenes) produziertes Werk angesehen werden darf, ist "The Pleasure Priciple" ein sehr persönliches Vermächtnis. Gary Numan hat auf diesem Album fast alles selbst gemacht und es ist daher fast ein "One-Man-Album". Alle Stücke sind wie aus einem Guß und mit wenigen Ausnahmen (z.B. das sehr schwache "Complex", was merkwürdigerweise seinerzeit als zweite Single ausgekoppelt wurde) von gleich hoher Qualität. Bereits das instrumentale Intro "Airlane" ist megastark. Kraftvoll, hämmernd, gnadenlos - so muß Elektropop sein. Aber auch die anderen Stücke (allen voran "Films" und "Conversation") sind überdurchschnittlich kraftvoll und gut. Und "Cars" ist natürlich Gary Numan's Beitrag zur "Eternity Hall of Fame" der Musikszene. Seinerzeit als erste Single ausgekoppelt war das Stück ein weltweiter Nummer-Eins-Hit. Numan selbst hat "Cars" ja in der Folge (1987, 1993, 1996) noch dreimal als Single wiederveröffentlicht (und sich jeweils wieder in den Charts platziert) und zur Zeit geistert das
Stück in einer Bearbeitung von Chicane als "Hiding all the Stars" wieder durch die Musikwelt. "The Pleasure Principle" ist Gary Numan's stärkstes Album (und das persönlichste). Schön, daß die vorliegende 30-Jahre-Edition nun remastered und damit in "modernem" Soundgewand vorliegt. Als Bonus sind ja auch einige Single-B-Seiten von damals enthalten, die bislang nicht auf CD erhältlich waren. Leider haben diese B-Seiten-Stücke nicht die Qualität, die Numan's Single-B-Seiten der frühen achtziger Jahre (1982, 1983) hatten (die waren allesamt mindest genauso gut wie die A-Seiten, manchmal sogar besser, z.B. auf "Sister Surprise" von 1983), aber für den Fan und Sammler sind sie eine wertvolle Bereicherung in der CD-Ära.
Bleibt zu hoffen, daß diese Neuveröffentlichung von "The Pleasure Principle" der Musik der "ersten" Numan-Karriere (zur Zeit bewegt er sich ja eher in "Dark-Gothic-Wassern") zu neuen Interessenten verhilft, die dieses nach wie vor zukunftweisende Album zu schätzen wissen.
Hinweis: die zweite CD dieses Doppel-CD-Packs mit den "Promo-Versions" der Tracks hat eher informativen Charakter und ist aus meiner Sicht überflüssig.
Und noch eine Anmerkung: als Vergleich für den weiteren Verlauf der musikalischen Entwicklung von Gary Numan seien die beiden Alben "Berserker" (1984) und "Sacrifice" (1994) empfohlen, die ihrerseits ebenfalls kleine "Meisterwerke" darstellen und beide auch wieder sehr persönlich in ihren Inhalten sind ("Sacrifice" war übrigens das zweite Album, das Gary Numan praktisch im Alleingang produziert hat).