Nachdem ich mir dieses Buch als "leichte" Zwischenlektüre geleistet hatte, fiel es mir zu Anfang doch wirklich richtig schwer, einmal damit anzufangen. Doch wenn man die ersten 100 Seiten überwunden hat, kann man gar nicht mehr aufhören. Die Charaktere gehen einem unheimlich nahe und Follet schreibt auch so, dass man sich wirklich eingebunden fühlt. Sehr eindrucksvoll kommt bei diesem Werk der Kampf zwischen Gut und Böse heraus. Die Hauptpersonen sind leicht in die Lager einzuteilen, aber man fiebert ständig mit deren Schicksalschlägen mit. So triumphiert mal das Gute in Form Priestern, Baumeistern und deren Familien über das Böse, vertreten durch die Monarchie und Landadel, um gleich darauf niedergeschmettert zu werden.
Die Liebe kommt auch nicht zu kurz und hat so ein bisschen was von "Salz auf unserer Haut", also ein Hin und Her über "Kriegen sie sich oder nicht", so dass man bis zum Ende spannungsgeladen an der Lektüre sitzt und die Welt um sich herum vergessen kann. Man möchte förmlich einschreiten und die Personen zusammen führen, muss sich jedoch hilflos dem Ideenreichtum des Autors unterwerfen und abwarten, ob es zum Guten oder Schlechten ausgeht.
Schlimm sind die Hindernisse, die den Personen in den Weg gelegt werden, manchmal so sehr, dass man fast verzweifeln möchte an so viel Ungerechtigkeit. Aber gerade das macht das Buch auch so anziehend und interessant, dass man mitfühlen kann und der definitve Ausgang bis zum Ende offen bleibt.
Die Schicksale all dieser Menschen sind verbunden durch den Bau einer Kathedrale, die es in solcher Form im damaligen England noch nicht gab. Die Errichtung eines solchen Bauwerkes nahm damals viel Zeit in Anspruch und über eine ebenso lange Periode hinweg begleitet der Leser die Personen auf ihrem schwierigen Weg.
Wie akkurat die Geschichte aus historischer Hinsicht ist, kann ich nicht beurteilen, aber diejenigen, die ein richtig gutes Stück Literatur, mit allem, was man von einem solchen Epos erwarten möchte, suchen, werden hier sicher Zufriedenheit erfahren.