Nicht schon wieder ein Nightwish-Klon!!! Das war mein erster Gedanke, als ich im RockHard das Review zum Epica-Album las. Da ich dererlei Kritiken nicht immer als uneingeschränktes Gesetz betrachte, sondern mir erstmal meinen eigenen Eindruck verschaffen möchte, führte mich der Weg ins nächste Plattengeschäft zum Probehören. Welch liebliche Klänge vernahm mein Ohr - schon der erste Titel überzeugte mich, sodass der Rest reine Formsache war. Gesagt-gekauft! Der erste Komplettdurchlauf dämpfte allerdings meine Freude etwas, da der Stoff doch nicht so ganz leicht runtergeht, wie die Musik von Nightwish. Obwohl sich eine gewisse Verwandtschaft zu Nightwish nicht leugnen lässt, besitzen Epica ein ganzes Mass Eigenständigkeit. Das Material wirkt komplexer und anspruchsvoller, sodass sich einem die gesamte Schönheit der Musik erst beim zweiten und dritten Durchlauf vollkommen erschließt. Die vielfach verwendeten klassischen Elemente (Therion und Haggard lassen grüßen) und die dezent eingesetzten Grunts von Mark Jansen unterstreichen die klare Mezzo-Sopran-Stimme von Simone und geben dem Gesamtwerk das gewisse Etwas, eine Mischung aus Dramatik und Harmonie.
Also, nicht verzagen, wenn Epica nicht beim ersten Anlauf zündet, sondern Kerzen an, Kopfhörer auf und ein Glas Rotwein genießen. Nebenwirkungen? Keine, außer es könnte sein, Ihr schaut aus dem Fenster und die Sonne ist inzwischen wieder aufgegangen...