Regisseur D. Stevens behandelt in diesem Film die Themen des freiwillig gewählten erotischen "Pet Play", die unfreiwillige kriminelle Sklaverei und den genauso kriminellen Organhandel - von Menschen die keine Wahl haben geschweige denn, dass sie als Mensch behandelt werden. Im S/M- Bereich, zu dem Petplay gemeinhin gerechnet wird, entscheiden sich mündige, volljährige, selbstbewusste und selbstständige Personen für eine befristete Spielzeit für die Rolle als Sub, als Sklave oder Sklavin oder eben als Haustier oder Pet. Der Regisseur D. Stevens stellt den S/M- Bereich den kriminellen Handlungen der Sklavenjäger und Organhändler gegenüber. Eine weitere Nebenhandlung ist die Tierquälerei und die Lieblosigkeit in normalen Beziehungen.
Eine Mischung, die in BDSM- Kreisen gemeinhin mit Augenrollen und Kopfschütteln betrachtet wird. Niemand in BDSM- Kreisen möchte mit diesem schwerkriminellen Milieu und diesen verbrecherischen Methoden auch nur das Geringste zu tun haben. Die Kombination dieser Themen, die so gegensätzlich wie Himmel und Hölle sind, gelingt in meinen Augen auch eher schlecht.
Die Geschichte der Blumenverkäuferin (Andrea Edmondson) mit einem lieblosen, trinkenden und tierquälerischen Freund die unverhofft von dem sehr reichen, gebildeten Philippe (Pierre du Lat) angesprochen und zum Abendessen eingeladen wird, ist glaubhaft. Es ist auch noch glaubhaft, dass sie sich von ihm einladen lässt sein Anwesen zu besuchen, ihre Katze auf seinem Grundstück beerdigt und -ohne jeglichen Sex- für ein paar Tage in die sehr gut bezahlte Rolle seines verstorbenen Haustiers schlüpft. Sie wird nackt und angeleint spazieren geführt, gefüttert und gewaschen, schläft über Nacht im Käfig und verhält sich auch sonst wie ein Hund. Die liebevolle, zärtliche Zuwendung von Philippe, ihres Halters, steht im krassen Gegensatz zum asozialen Verhalten ihres Freundes. Dieser Gegensatz zwischen normal und Petplay macht ihre Entscheidung nachvollziehbar und verständlich, sich erneut, fürstlich bezahlt und dieses Mal für länger diese Rolle zu spielen. Ihre Bereitschaft, sich brandmarken und taggen zu lassen und ein E- Halsband für Philippe zu tragen - nun, das gibt es auch in der Realität, freiwillig und wohl überlegt.
Die Verbindung von Philippe mit kriminellen Sklaven- und Organhändlern -die ihm den Tipp gaben sich der Blumenhändlerin zu nähern die sie für ihn identifiziert hatten - ist für mich etwas unklar. Das Geschäftsmodell der Kriminellen in einem Land ohne Meldegesetz und mit Millionen illegaler Einwanderer die niemand kennt und vermisst Organ- und Sklavenhandel zu betreiben ist zwar glaubwürdig, hat aber auf mich als Zuschauer eine zu synthetische, seltsame Wirkung. Es passt nicht, auch wenn es logisch erscheint.
Der Einwand einiger Kritiker es wäre eine lächerliche Behauptung dass jeder Mensch innerhalb von 14 Tagen zum Sklaven erzogen werden kann möchte ich zurückweisen. Alle Berichte aus den bekannten Schurkenstaaten" sprechen eher für eine kürzere Zeit. 3 Minuten ohne Luft, 3 Tage ohne Wasser...
Dass Philippe die Marke, der ihn als Eigner seines Pets ausweist, versehentlich verliert und sein Pet dann beinahe von den Kriminellen für eine Organspende geraubt wird ist spannend erzählt, wirkt aber gekünstelt. Dass die frühere Blumenverkäuferin bei dieser versuchten Entführung eine Spritze erhält an deren Folgen sie in der Nacht stirbt wird dramatisch und gefühlvoll gespielt - an dieser Stelle schaut man den Film aber distanziert an so dass dies nicht so ankommt wie es gedacht war.
Beachtenswert die große schauspielerische Leistung von Andrea Edmondson, die sich mit unglaublicher Natürlichkeit über weite Strecken völlig nackt und auch auf allen Vieren in die Hunderolle einfindet - so natürlich, daß man als Zuschauer kaum registriert dass sie nichts außer ein Halsband am Körper trägt.
Pierre du Lat - bis auf die Szenen gegen Ende des Films spielt er den exzentrischen reichen Adligen glaubwürdig. Freilich, es wäre glaubwürdiger gewesen hätte er einen englischen Baron gegeben und der Film hätte sich in den grünen Hügeln Englands und in einigen Londoner Ecken abgespielt. Man kann es Pierre du Lat aber abnehmen dass er seinen realen Hund vermisst und einen Ersatz möchte. Ob Hund oder Mensch der den Hund spielt - in erster Näherung gleichgültig solange die gegenseitige unbedingte Liebe zwischen Eigner und Tier vorhanden ist.
Der Film nimmt zahlreiche Anspielungen an die "Geschichte der O", angefangen vom herrschaftlichen Anwesen von Philippe mit den kiesbedeckten Auffahrten und der schwarzen Haushälterin. Auch ist der Film sehr reich an Nebenhandlungen und Anspielungen - grundsätzlich hat alles in diesem Film eine Bedeutung, nichts ist zufällig und ohne Grund gespielt. Ob es das sehenswerte Rennen" von zwei Pets im Schnee ist oder ob Andrea Edmondson in ihrem Käfig Pippi machen musste - man sich den Film mehrmals ansehen um alles gesehen zu haben.