Gute Tageszeitungen beschäftigen Kunstkritiker, Theaterkritiker, Literaturkritiker, Filmkritker, Restaurantkritiker, Weinkritiker, Architektur... - und die New York Times einen Parfumkritiker: Chandler Burr, Autor dieses hochinteressanten Buches.
Burr begleitet zwei Parfums von der Konzeption bis zur Markteinführung und bietet faszinierende Einblicke in die Mechanismen der Parfumindustrie und deren Akteure: Marketingspezialisten, Finanziers, Designer, Public Relations- und Werbe-Spezialisten und vor allem die Künstler, Parfumeure, Komponisten der Düfte. In seiner flüssig zu lesenden Reportage schildert Burr die Entwicklung zweier aktueller Parfums: "Un jardin sur le Nil" von Hermes und "Lovely" von Coty.
Hermes einer der ganz wenigen Parfumhersteller, die einen eigenen Parfumeur beschäftigen, selbstverständlich einen Star der Branche - wobei unverständlicherweise, weil völlig anders als bei allen anderen Kunstformen, die Parfumeure außer wenigen Eingeweihten dem Publikum völlig unbekannt sind. Hermes entscheidet, zum Jahresmotto "Flüsse" ein passendes Parfum herauszubringen, und fliegt seinen Starparfumeur Jean Claude Ellena an den Nil, um ihn zu inspirieren. Und als das Parfum samt Verpackung und Werbematerialien dann fertig ist, werden Fachjournalisten aus aller Welt auf den Nil zum Launch des Parfums eingeladen. Ob sich die kettenrauchende spanische Journalistin, die zwischen zwei Zügen schnell mal am Parfum schnupperte, darüber gefreut hat, dass Burr sie in seinem Buch verewigte?
"Lovely" ist ein Celebrity-Parfum, welches den Erfolg von Sarah Jessica Parker (Sex in the City) vermarktet. Und doch ein außergewöhnliches Celebrity-Parfum, denn die Initiative ging ausnahmsweise nicht von dem Hersteller aus, der sein selbst entwickeltes Produkt besser verkaufen will und dazu von einem Star die Lizenz zum Verwenden seines Namens erwirbt, sondern von S J Parker selbst, die unbedingt ein eigenes Parfum schaffen wollte und nach einer Firma suchte, die sie unterstützte.
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Parfum. Eine sinnliche Kulturgeschichte verlieren sich in der Geschichte des Parfums, der Faszination seltener, kostbarer natürlicher Duftstoffe und der Magie großer Namen wie Chanel. Sie nähren den Mythos, der sich um Parfum rankt, blicken aber nicht hinter die Fassade, die Werbeleute sorgfältig konstruiert haben. "The Perfect Scent" blickt hinter diese Fassade, zeigt, was dort wirklich passiert, und stellt uns die stillen Künstler, die Parfumeure, persönlich vor - ohne dass etwas von der Faszination Parfum verloren geht. Bleibt nur zu wünschen, dass das Buch ins Deutsche übersetzt wird!