Vier lange Jahre hat uns Conor auf ein neues Bright Eyes Album warten lassen. Untätig war er in der Zwischenzeit zwar nicht (Solo Album, Mystic Valley Band, Monsters of Folk), aber mit all diese "anderen" Projekten konnte zumindest ich mich nicht so recht anfreunden. Besonders vom Solo Album hatte ich weit mehr erwartet, wurde ehrlich gesagt enttäuscht, das Werk berührte mich kaum.
Vor Erscheinen vom "People's Key" hies es ja fast einhellig: Alles anders, Pop, Rock. Das lies mich mit noch mehr Sorge auf das Album blicken. Doch schon gleich nach dem ersten Hören war mir klar (eigentlich sofort nach den ersten Takten von "Shell Games": Musikalisch ist das gar nicht so anders. Frag mich was manche Kritiker dazu hinreist den Popeinfluß als ach so neu zu bezeichen, scheinbar hat keiner das "Digital Ash" Album gehört. Von der Grundstimmung her erinnert mich das Album stark an "Cassadaga", setzt eigentlich genau da an. "Cassadaga" gemischt mit "Digital Ash", ja, das triffts eigentlich ganz gut. Möglicherweise befremdet viele, das hier nun fast jeder Song sowas wie Ohrwurm-Qualitäten hat - du hast die Songs nach dem ersten Hören im Ohr, und dafür brauchst du nichtmal ein Bright Eyes Fan zu sein (für mich als Fan war auch so etwas wie "Waste of Paint" ein Ohrwurm, das ist eine andere Geschichte). Ich sage, ähnliche Stimmung wie "Cassadaga". Was heißt das? Nun, gesetzte Melancholie, bittersüß. Denn eines stimmt schon: Conor hat sich gefunden. Er singt nicht mehr "stripped down", die Stimme bricht nicht, die Leidenschaft ist im Griff, keine verzweifelten Aufschreie mehr, nicht mehr diese eigentümlich-ungewöhnliche Direktheit in den Texten und auch der Stimme, jetzt singt er dann doch ein bißchen für uns... Dies "enttäuschte" ja schon viele auf seinem Solo Album, und Schreie nach den "Lifted" Zeiten wurden laut. Für mich war das nicht der Grund, warum ich das Solo werk nicht mochte, mir wars einfach zu sehr (ich sag mal) Country. Denn: Es ist nicht gleich schlecht wenn die ganz große Verzweiflung 'raus ist. Wär ja schlimm wenn das der Maßstab für Conors Musik wäre. Hier setzt ein extrem talentierter Musiker seinen Weg, seine Entwicklung fort. Er hat die düstersten Zeiten überwunden - und "tries to just keep moving on". Das nennt man Entwicklung, es wird keine Rückkehr zu "Lifted" geben, das wäre auch ein Rückschritt. Die Entwicklung seiner Alben, seiner Stimmungen macht all das, was da früher war sogar noch Glaubwürdiger. Wenn jetzt jedes Album gleich bitter wäre, über so einen langen Zeitraum, dann könnte es schnell "zur Masche" werden. Und genau deshalb gefällt mir dieses neue Album so gut. Als Bright Eyes zu erkennen, bestimmt nicht Fröhlich, aber, wie gesagt, alles gesetzter. Mit über 30 siehst du manches nun mal anders als mit 20 (geht mir zumindest so). Aber nochmal zur Klarstellung: Textlich ist hier natürlich weiterhin nichts fröhlich - nur halt nicht mehr von der ehemaligen Direktheit. Aber zumindest ich finde mich in diesen Texten noch wieder. Und genau in diesen ist Conor weiterhin seinem Alter voraus, sie sind von einer Reife die man selbst von einem 30er noch nicht erwartet.
"The people's key" ist ein überaus gelungenes Album, mit dem sich alte Fans als auch neue Hörer gleichermaßen anfreunden dürften. Jeder Song ist auf seine Weise catchy, ruhiges und Up Tempo wechseln sich gut ab, ich hör das Album die ganze Woche immer von Anfang bis Ende durch, ohne einen bestimmten Favoriten zu haben. Hm...ok, am meisten berührt werd ich vielleicht von "Beginner's mind". Jeder Song hat auf seine Weise was. So hat mich das Werk mit Conor versöhnt, erwarte mit Spannung was da noch kommt. Obwohl nicht 100%ig bestätigt das es das letzte Bright Eyes Album sein wird glaube ich nicht, das es noch eins geben wird, ganz sicher zumindest nicht für die nächsten fünf Jahre. Ich glaube, Conor und auch die anderen fühlen sich in ihren anderen Projekten wohler, da, wo sie nicht so ganz im Spotlight stehen.