Chad Fowler richtet sich mit dem "Passionate Programmer" hauptsächlich an Softwareentwickler und -entwicklerinnen, die als Angestellte in einem Unternehmen ihr Geld verdienen. Berufsjahre und Ausbildung spielen dabei keine Rolle. Angehörige verwandter Berufsgruppen wie Systemadministratoren oder Informatiker aus dem akademischen Bereich werden sich von dem Buch wahrscheinlich nicht angesprochen fühlen.
Dieses Buch sehe ich in idealer Ergänzung zum "Pragmatic Programmer" von Andrew Hunt und David Thomas: Während der "Pragmatic Programmer" zahlreiche Wege zur Verbesserung der eigenen Programmierkünste enthält, fordert der "Passionate Programmer" den Leser dazu auf, seine berufliche Laufbahn als Unternehmen in eigener Sache zu verstehen und entsprechend wie ein Unternehmer zu handeln.
Wie das geht, beschreibt Chad Fowler in Form von 52+1 Tips, die er jeweils auf zwei bis vier Seiten motiviert und mit einer konkreten Handlungsanweisung abschließt. Folgt man diesen Vorschlägen, so findet man mehr Erfüllung und erfährt mehr Erfolg im Berufsleben - verspricht jedenfalls der Buchumschlag. Um möglichen Missverständnissen vorzubeugen: Dies ist kein Karriereratgeber im klassischen Sinne, der uns zu mehr Gehalt und/oder zu Führungspositionen verhelfen möchte. Im Gegenteil betont der Autor, dass diese Ziele dem persönlichen Verständnis von Erfolg durchaus entgegenstehen können, und belegt dies am Beispiel seiner eigenen Laufbahn in der IT-Branche.
Das Buch kommt im lockeren Tonfall daher, wie er nicht untypisch für US-amerikanische Literatur aus diesem Themenbereich ist. Persönlich lese ich diesen Stil lieber im Original als in einer Übersetzung, die in ihrem Bemühen, diese Lockerheit ins Deutsche zu übertragen, leicht verkrampft wirkt. Seine Tips garniert der Autor gern mit Anekdoten aus seiner früheren Laufbahn als Berufsmusiker - daher auch das Saxophon auf dem Titel. Manchmal geschieht dies so eingehend, dass wirklich jedem Leser das jeweilige Anliegen klar geworden sein muss. Dieses Mittel hätte der Autor durchaus etwas sparsamer einsetzen können, es bleibt für mich aber noch im Rahmen des Erträglichen.
Besonders erfreulich an dem Buch finde ich, dass es realistische Mittel und Wege aufweist, weiterhin als angestellter Softwareentwickler (noch) mehr Zufriedenheit im Beruf zu erlangen. Nicht jeder kann oder möchte sich selbständig machen oder ein eigenes Unternehmen gründen, nur weil's im Job nicht so klappt. Es nimmt uns dabei nicht aus der Verantwortung: Jeder der aufgeführten Tips setzt zur erfolgreichen Umsetzung eine kritische Betrachtung der eigenen Person und ein ordentliches Stück Arbeit am eigenen Verhalten voraus.
Mein Fazit: Dieses Buch bietet jedem, der sich zum eingangs genannten Adressatenkreis zählt, wenigstens eine Handvoll Anregungen zur Verbesserung der eigenen Situation. Und falls die rund 200 unterhaltsamen Seiten wider Erwarten wirklich nichts Neues enthalten, bekommt man wenigstens für wenig Geld die Bestätigung, dass man bereits alles richtig macht.