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The Party's Over
 
 
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The Party's Over [Broschiert]

Richard Heinberg
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Jede Generation hat ihre blinden Flecken und versteckt Dinge, über die sie nicht spricht. Unser Tabu heißt Öl. Der Rohstoff, der unsere Weltwirtschaft speist, geht zur Neige. Aber weil sich das niemand vorstellen mag, lebt unsere Zivilisation mit der Selbsttäuschung. Richard Heinberg belegt mit Hilfe von Recherchen unabhängiger Geologen, dass der Höhepunkt der Ölförderung bereits in wenigen Jahren überschritten sein wird. Der weltweite Bedarf an "flüssigem Gold" nimmt aber weiter zu. Was wird geschehen, wenn sich die Schere von Angebot und Nachfrage öffnet? Heinberg entwirft ein mögliches Zukunftsszenario und zeigt Alternativen zur Erdölgesellschaft.

Öl-Ende ... und keiner wills glauben

Die Schätzungen über die Endlichkeit einer unproblematischen Ölversorgung gehen weit auseinander. Sie reichen von der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts bis zur politisch motivierten Aussage "gesichert für mindestens 5000 Jahre" (US-Regierung). Nach den Recherchen von Richard Heinberg wird der Höhepunkt der Ölförderung zwischen 2006 und 2012 liegen. Da jedoch der weltweite Ölverbrauch um ca. 2% pro Jahr zunimmt, wird bald nicht mehr genug "flüssiges Gold" für alle vorhanden sein. Wie wird sich das Auseinanderdriften von Angebot und Nachfrage auswirken? Wird es zu Ressourcenkriegen kommen, oder schaffen wir den Umbau in eine nachhaltige Wirtschaft, verbunden mit einem friedlicheren Miteinander? Heinberg geht intensiv auf die Entwicklung alternativer Energietechniken ein. Allerdings macht er uns nur beschränkt Hoffnung. Denn auch die massive Förderung regenerativer Modelle wäre nicht ohne weiteres in der Lage, den Energiebedarf einer zunehmend energiehungrigen industrialisierten Welt zu decken. Die Konsequenzen für unsere Mobilität, den Welthandel und die weitgehend ölabhängige Landwirtschaft werden gewaltig sein. Aber der Autor ist kein Pessimist. Er weist auf einen Energiemix und den nachhaltigen Umbau unserer Wirtschaft als Perspektiven hin. Inwieweit wir es schaffen, dafür technische und politische Lösungen zu finden, wird darüber bestimmen, ob wir vor einer Phase heftiger kriegerischer Auseinandersetzungen stehen oder auf eine Welt zugehen, in der alle Völker Chancen auf Lebensqualität haben. Die vorliegende Ausgabe wurde hinsichtlich aktuellen Zahlenmaterials für Deutschland von Experten der Ludwig-Bölkow-Systemforschung bearbeitet.

Über den Autor

Richard Heinberg ist Journalist, Sachbuchautor und Musiker. Er hat bereits vier Bücher über kulturellen Wandel und Energiewirtschaft veröffentlicht, u.a. "Cloning the Buddha: The Moral Impact of Biotechnology", für die er mehrere Auszeichnungen erhalten hat. Am Santa Rosa College in Kalifornien unterrichtet er zum Thema Kultur, Ökologie und nachhaltige Kommunen.

Auszug aus The Party's Over von Richard Heinberg. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Vorwort von Colin J. Campbell
Einleitung

1 Energie, Natur und Gesellschaft
- Energie und Erde: die Spielregeln
- Energie in Ökosystemen: fressen und gefressen werden
- Gesellschaftliche Wirkungsstrategien: Wie man sich Energien nutzbar macht
- Komplexität und Kollaps: Gesellschaften und das Problem des Energiemangels
- Angewandte Gesellschafts- und Umweltgeschichte: die Erklärung der amerikanischen Erfolgsstory

2 Partyzeit: die geschichtliche Episode billiger und reichlicher Energie
- Energie im mittelalterlichen Europa
- Die Kohlerevolution
- Das Erdölwunder, Teil I
- Die Elektrifizierung der Welt
- Das Erdölwunder, Teil II
- Öl, Geopolitik und die globale Wirtschaft: 1950-1980
- 1980-2002: verpasste Gelegenheiten und das Vorspiel zur Katastrophe

3 Kehraus: Eine geschichtliche Episode geht zu Ende
- Der Boden bricht weg
- Der Energievisionär M. King Hubbert
- Hubberts Vermächtnis
- Hubberts Kritiker: Energie gibt es im Überfluss
- Wer hat Recht? Und was hängt davon ab?

4 Andere Energiequellen: Kann die Party doch weitergehen?
- Erdgas
- Kohle
- Kernkraft
- Windkraft
- Solarenergie
- Wasserstoff
- Wasserkraft
- Erdwärme
- Gezeiten und Wellen
- Biomasse, Biodiesel und Ethanol
- »Freie Energie«, kalte Fusion und Kernfusion
- Energiesparen und Energieeffizienz

5 Nachspiel: Den Letzten beißen die Hunde
- Physische Wirtschaft und Finanzwirtschaft
- Verkehrswesen
- Nahrungsmittel und Landwirtschaft
- Heizung und Kühlung
- Die Umwelt
- Das öffentliche Gesundheitswesen
- Informationstechnologie
- Politik und gesellschaftliche Bewegungen
- Geopolitik im Zeichen der Energieknappheit
- Ein Resümee

6 Den Zusammenbruch steuern: Strategien und Empfehlungen
- Heim und Familie
- Der weitere Lebenskreis
- Das Land
- Die Welt
- Ein letztes Wort

Nachwort von Hans-Peter Dürr

Anhang
- Danksagung
- Anmerkungen
- Bibliographie
- Register

Vorwort

Man hat ganz treffend geäußert, dass Öl und Politik nie sehr weit voneinander entfernt sind. Selbst während des Ersten Weltkriegs, als die Ölindustrie erst ganz am Anfang stand, spielte das Öl eine große Rolle, zum Beispiel als die Deutschen ihren Einfluss im Nahen und Mittleren Osten ausdehnen wollten. Der damalige französische Ministerpräsident gab dazu den Kommentar ab: »Jeder Tropfen Öl ist einen Tropfen Blut wert.« Japan trat in den Zweiten Weltkrieg ein, um Kontrolle über das indonesische Öl zu erlangen. Hitler wollte Baku am Kaspischen Meer erobern, weil er das dort gewonnene Öl zur Unterstützung seiner Kriegsmaschinerie dringend brauchte, die zuvor immer noch stark auf Pferde als Transportmittel angewiesen war. Grund für die irakische Invasion Kuwaits, die den zweiten Golfkrieg auslöste, war die Tatsache, dass das Scheichtum mehr Öl förderte, als seiner allgemein vereinbarten OPEC-Quote entsprach, was den Ölpreis nach unten trieb und deshalb die legitimen irakischen Einkünfte verminderte. Die Vereinigten Staaten, deren Eigenproduktion seit mehr als 30 Jahren zunehmend zurückgeht, erklären schon seit langem immer wieder ausdrücklich, dass der Zugang zu ausländischem Öl ein vitales, nationales Interesse darstelle, das auch eine militärische Intervention rechtfertige. Nach dem Irakkrieg ist die Stimmung in den USA umgeschlagen, denn viele Bürger fragen inzwischen, welche wirtschaftlichen und politischen Alternativen zu einer solchen Politik es geben könnte.
Dieses bemerkenswerte Buch kommt also genau zur richtigen Zeit.
Es ist deshalb so bemerkenswert, weil es tief gehende Einsichten in den Zustand einer Welt liefert, die von billiger, auf Erdöl beruhender Energie abhängig geworden ist, was ihren Wohlstand und ihr Wirtschaftswachstum angeht. Nun ist aber, wie der Autor ausführlich darlegt, Öl ein fossiler Brennstoff, was bedeutet, dass er in der geologischen Vergangenheit entstanden ist und demzufolge irgendwann einmal erschöpft sein wird. Folglich begann uns bereits das Öl auszugehen, als wir das allererste Barrel förderten. Aber das Knappwerden der Vorräte ist nicht das wichtigste Problem, da sich das allmähliche Auslaufen der Produktion über eine sehr lange Zeit hinziehen kann. Viel wichtiger ist das Datum der Höchstfördermenge, ab dem die Weltölproduktion langsam zu sinken beginnt. Dieses Datum wird wahrscheinlich einen bedeutenden historischen Wendepunkt darstellen, weil es das bisherige allgemeine Wachstum beenden wird. Es wird alle Aspekte des Lebens, wie wir es bisher kannten, betreffen, da das Öl für Transport, Handel und Landwirtschaft absolut unverzichtbar geworden ist. So hat sich zum Beispiel die Weltbevölkerung in der ersten Hälfte des Ölzeitalters versechsfacht. Wie wird sie sich in dessen zweiter Hälfte entwickeln?
Das Buch beginnt mit einer Betrachtung der Energie im Allgemeinen und erklärt auf verständliche Weise deren Charakteristiken und physische Gesetze, vor allem, dass sie weder geschaffen noch vernichtet, sondern nur umgewandelt werden kann. Pflanzen wachsen, indem sie die Sonnenenergie dazu nutzen, die Nährstoffe und Mineralien des Bodens in Stängel und Blätter umzuwandeln, die wiederum als Nahrung dienen können. Die Entropie-Gesetze erfassen die wesentlichen Bedingungen für den Erfolg oder Misserfolg jeder Umweltnische. Diese Erkenntnis führte ihrerseits zur Herausbildung der neuen Forschungsrichtung »Ökologie«, in der Wissenschaftler die Überlebensfähigkeit, die so genannte »Viabilität«, von lebendigen Systemen auf unserem, in jeder Beziehung »endlichen« Planeten untersuchen. Wie es schon die »Dustbowls«, die Erosionserscheinungen mit ihren Staubstürmen, im amerikanischen Westen in den 1920er Jahren bewiesen, hat jedes System seine Grenzen: Pflanzen können nicht mehr wachsen, wenn der Erdboden davongeweht wird oder die natürlichen Wasserläufe ausgetrocknet sind.
Dies berührt jedoch ein äußerst sensibles Gebiet, da die Leute verständlicherweise ungern hören, dass es natürliche Beschränkungen gibt, die ihren unerschütterlichen Glauben an den Menschen als unumschränkten Herrn seiner Umwelt erschüttern könnten. Diese natürlichen Grenzen rühren manchmal sogar an anerkannte religiöse Lehren, die den Menschen in den Augen Gottes zu einem ganz besonderen Wesen erklären. Nun können diese Erkenntnisse natürlich auch die Leidenschaften und Energien des echten Umweltschützers anheizen, aber dies kann dann sogar zu einem Eigentor führen, wenn dieser zu sehr dem Stereotyp des Sandalen tragenden und bärtigen Ökofreaks entspricht. Es ist deswegen ausgesprochen erfrischend, dass der Autor dieses Buches sich auf nüchterne und vernünftige Weise, ohne jedwedes Klischee, ohne extreme Ansichten und Vorurteile mit diesem Thema auseinander setzt. Seine Argumente sind so überzeugend, dass sie sowohl von einem Firmenvorstand als auch einem leidenschaftlichen Umweltschützer ernst genommen werden sollten.
Was den Vorstand angeht, so erfahren wir in diesem Buch auch, wie relativ neu die Herausbildung der von großen Firmen beherrschten Welt ist, in der wir heute leben. Sie entstand erst im 18. Jahrhundert im Gefolge der industriellen Revolution, als wir lernten, uns zuerst durch Mühlbäche, später durch Kohle, Öl und Gas neue Energien zur Produktion der unterschiedlichsten Güter nutzbar zu machen. Dies wiederum hatte eine Kapitalakkumulation zur Folge, die das Wachstum anregte und neue Märkte schuf. Die Sättigung der einheimischen Märkte führte dann dazu, dass Großbritannien, Frankreich und Russland Kolonial- und Überseeimperien errichteten, die später durch die US-amerikanische wirtschaftliche Hegemonie und die von ihr beherrschte Globalisierung abgelöst wurde, die vom Dollar angetrieben und von einer so bisher noch nie gekannten militärischen Macht abgesichert wird. Auch der Kapitalismus selbst hat sich durch die Herausbildung von bisher unbekannten Finanzinstrumenten weiterentwickelt, die auf Schulden und Wucher fußen, wobei Geschäftsbanken in einem beinahe virtuellen System Geld ausleihen, das sie gar nicht haben, einem System, das ganz allein auf einem unerschütterlichen Vertrauen in ein andauerndes, ewiges Wachstum beruht. All dies entwickelte sich im Verlauf von nur wenigen Generationen: So wurde mein Vater vor der Ankunft des Automobils und lange, bevor der erste Traktor seine Furchen pflügte, geboren.
Aber wie uns dieses Buch ebenfalls zeigt, gehen Imperien genauso unter, wie sie sich entwickeln, und dies manchmal sehr rasch, wobei dieser Zusammenbruch oft auf ein ökologisches Ereignis zurückgeht. Das Römische Reich brach zusammen, als die spanischen Silberminen überschwemmt wurden, weil die Abbautiefe den Grundwasserspiegel erreicht hatte, und es daraufhin kein Geld mehr gab, um die Söldnertruppen zu bezahlen, die das Imperium schützen sollten.
Ob es uns gefällt oder nicht, wir leben nun einmal inmitten einer natürlichen Umwelt - und doch ignorieren wir zu unserem Schaden die Auswirkungen dieser Tatsache. Hatte Darwin mit seiner Feststellung Recht, die Evolution beruhe auf dem Überleben des Tüchtigsten? Tatsächlich zeigt die Geschichte des Lebens auf der Erde in den letzten 500 Millionen Jahren, wie Arten gediehen, wenn sie sich an ökologische Nischen anpassten, sie aber ausstarben, wenn sich die Umwelt veränderte, wodurch gleichzeitig einfachere Formen überlebten, sich später verzweigten, um neue Umwelten auszunutzen und dann schließlich ihrerseits auch auszusterben.
Dies sind die entscheidenden Fragen, die dieses Buch aufwirft: Werden wir die erste Art sein, die ihre viel beschworene Intelligenz dazu benutzt, ihren Weg zu ändern, wenn sie entdeckt, dass sie irgendwo in eine Sackgasse geraten ist? Können wir mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, wieder zur Einfachheit und einer ausgewogenen Balance zurückfinden? Die Antwort hat auch zu tun mit den unterschiedlichen Menschengruppen samt deren Wanderungen. Einigen Gemeinschaften wird eine Anpassung vielleicht leichter fallen als anderen. Wird es ihnen dann aber gelingen, ihre diesbezüglichen Vorteile auszunutzen? Oder werden sie einfach von Migranten aus weniger angepassten Standorten überschwemmt werden? Und wie nahe sind wir solchen fundamentalen Richtungsänderungen?
Wirtschaftsexperten können zwar vorhandene Trends ziemlich genau hochrechnen, sie sind aber eher hilflos, wenn es um das Voraussehen von Kursänderungen und völlig neuen Entwicklungen geht. Das Unerwartete kann tatsächlich passieren. Der 11. September und seine Folgen könnten ein solcher Katalysator gewesen sein. Das endgültige Urteil darüber ist noch nicht gesprochen, aber diese Ereignisse könnten mit bisher noch nicht erkannten tiefer gehenden Spannungen zusammenhängen, die mit dem Öl im Nahen und Mittleren Osten zu tun haben.
Das Urteil ist aber sehr wohl gesprochen, was die Abnahme der Ölversorgung angeht. Selbst der Chef von Exxon-Mobil bestätigt, dass die gegenwärtig erschlossenen Ölfelder weniger als die Hälfte des im Jahre 2010 notwendigen Bedarfs befriedigen können und dass es eine Billion Dollar kosten wird, ihn doch noch sicherzustellen. Dies ist eine etwas gewundene Art, auszudrücken, dass der Bedarf eben nicht gedeckt werden kann. In einer gleichfalls etwas indirekten Bezugnahme auf die allmähliche Erschöpfung ihres bisherigen Hauptgewinnbringers ließ British Petroleum verlauten, dass BP von jetzt an für Beyond Petroleum, »Über die Erdölförderung hinaus«, stehe.
Die gegenwärtigen Mächte und Regierungen zögern zwar noch, endlich aktiv zu werden und die Wahrheit zuzugeben, aber Richard Heinberg betrachtet es völlig richtig als eine Tatsache, dass »Peak Oil«, das Maximum der Erdölförderung, unmittelbar bevorsteht, und untersucht deshalb, welche anderen Energiequellen an die Stelle des Öls treten könnten. Er kommt zu dem Schluss, dass es durchaus entsprechende Ersatzstoffe gibt, von denen aber keiner so billig und bequem sein wird, wie es das Öl war.
In einem Schlusskapitel gibt der Autor einige äußerst vernünftige Empfehlungen ab, wie man mit den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Änderungen sowie der Umstellung des persönlichen Lebensstils umgehen sollte, die diese neue Lage erfordern wird. Seine Ratschläge sind vor allem deshalb so nützlich, weil sie darauf abzielen, den Menschen Handlungsmöglichkeiten auf ganz persönlicher Ebene in ihrem Privatleben aufzuzeigen. Dies scheint schon deshalb recht vernünftig zu sein, weil die Politiker am Ende doch auf die Unterstützung der Öffentlichkeit angewiesen sind. Je mehr sich die persönlichen Angewohnheiten ändern werden, desto mehr wird sich letztlich auch die Regierungspolitik ändern müssen, um den neuen Erfordernissen gerecht werden zu können. Das Schlüsselwort hier ist letztlich, da ja viel Wahrheit in dem geflügelten Wort steckt, dass Generäle und Politiker immer den vorhergehenden Krieg planen, da sie die Letzten sind, die erkennen, dass sich seither die Umstände völlig geändert haben.
Das besondere Verdienst dieses Buches ist es, dass es uns die Mittel an die Hand gibt, die neuen Herausforderungen zu erkennen und aus der Niederlage doch noch einen Sieg werden zu lassen. Es sollte zur Standardlektüre aller Regierungen werden - und nirgends wird es dringender gebraucht als im Weißen Haus. Es sollte auch in keinem Bücherregal und keiner Schul- und Hochschulbibliothek fehlen. Wenn diese Erkenntnisse, so wie sie es verdienen, das Interesse der jungen Leute finden und deren Vorstellungskraft und Fantasie fördern, dann werden wir vielleicht doch noch eine gute Zukunft haben. Die Länder der westlichen Welt sind für die Initiative, Individualität, den Einfallsreichtum und die Begeisterungsfähigkeit ihrer Bürger bekannt. Diese können auch diese Herausforderung meistern, wenn sie sie denn erst einmal kennen. Dieses Buch wird sie ihnen auf eine sehr klare, unzweideutige, wohl überlegte und unaufgeregte Weise nahe bringen.
Colin J. Campbell
Ehemaliger FINA-Ölmanager; Gründer der »Association for the Study of Peak Oil (ASPO)«, der Vereinigung zum Studium des Höhepunkts der Weltölproduktion

Einleitung

Die in der Nacht hell strahlenden Hochhäuser, die laufenden Klimaanlagen in leeren Wüstenhotels, die künstlich beleuchteten Räume mitten am Tag - sie alle haben sowohl etwas Verrücktes wie auch Bewundernswertes an sich: Sie sind der gedankenlose Luxus einer reichen Überflussgesellschaft, aber auch einer Gesellschaft, die genauso viel Angst davor hat, dass das Licht ausgehen könnte, wie einst der Jäger in seiner urzeitlichen Nacht.
Jean Baudrillard (1989)
Es liegt auf der Hand, dass das weitere Schicksal der Weltbevölkerung im Guten wie im Schlechten unauflöslich mit dem Gebrauch verbunden ist, die diese von ihren Energievorräten macht. M. King Hubbert (1969)
Es gibt keinen Ersatz für Energie. Das gesamte Gebäude der modernen Gesellschaft baut darauf auf ... Es ist nicht »irgendeine dieser Waren und Güter«, sondern Vorbedingung all dieser Güter, ein grundlegender Faktor wie Luft, Wasser und Erde.
E. F. Schumacher (1973)

Die Welt ändert sich vor unseren Augen - dramatisch, unvermeidlich und unumkehrbar. Diese Änderung betrifft mehr Leute auf weit tiefer gehende Weise als alles, was Menschen jemals zuvor erlebt haben. Ich rede nicht von einem Krieg oder einer Terrorattacke, einem Börsenkrach oder der globalen Erwärmung, sondern von einer viel grundsätzlicheren Realität, die Terrorismus, Krieg, Wirtschaftskrisen, Klimawandel und noch vieles andere mehr überhaupt erst hervorbringt: der Entdeckung und Erschöpfung fossiler Energiequellen.
Denn die Hauptbotschaft dieses Buches lautet, dass die industrielle Zivilisation auf dem Verbrauch von Energievorräten beruht, die grundsätzlich begrenzt sind und die kurz davor sind, knapp zu werden. Wenn sie das tun, wird der Kampf um das, was noch übrig bleibt, dramatische wirtschaftliche und geopolitische Auswirkungen haben; schließlich wird es vielleicht keiner einzigen Nation mehr gelingen, eine Industriegesellschaft aufrechtzuerhalten, wie wir sie im 20. Jahrhundert kannten.
Was aber kommt nach dem Zeitalter der Industrie? Es könnte eine Welt sein, die von geringerem Konsum, geringerer Bevölkerungszahl und einer geringeren Belastung der Ökosysteme geprägt ist. Aber der Prozess von hier bis dorthin wird nicht einfach sein, selbst wenn die für die Führung unserer Welt Verantwortlichen intelligente und kooperative Strategien anwenden - wozu sie allerdings bisher kaum willens waren. Trotzdem muss das Ende der industriellen Zivilisation nicht das Ende der Welt bedeuten.
Die Botschaft dieses Buches hat solch riesige Auswirkungen - noch dazu ist es eine Botschaft, die allen Beteuerungen widerspricht, die wir täglich von Politikern und anderen Meinungsführern vernehmen -, dass man sie im ersten Augenblick für absurd halten könnte. Jedoch hoffe ich in den folgenden Kapiteln auf einige entscheidende Tatsachen hinweisen zu können, die sie untermauern:

- die vollständige und absolute Abhängigkeit der modernen Industriegesellschaften von fossilen Brennstoffvorräten sowie die Tatsache, dass keine Alternative die preiswerte, bequeme Energiequelle voll ersetzen kann, die fossile Brennstoffe darstellen;

- die wirtschaftliche und politische Verletzlichkeit von Industriegesellschaften selbst durch einen nur geringen Rückgang der verfügbaren Energieressourcen;

- die Unvermeidbarkeit der Erschöpfung der fossilen Brennstoffvorräte;

- das unmittelbare Bevorstehen der maximalen Höchstfördermenge von fossilen Brennstoffen, was bedeutet, dass schon sehr bald jedes Jahr weniger dieser Brennstoffe zur Verfügung stehen werden, egal wie viele bisher noch unerforschte Gebiete erschlossen und neue Ölquellen gebohrt werden;

- die Rolle des Öls für die US-amerikanische Außenpolitik, Terrorismus, Krieg und die Geopolitik des 21. Jahrhunderts;

- und die aus all dem hervorgehende Notwendigkeit, gemeinsam auf diesen anstehenden Wendepunkt der Weltölproduktion mit Mitgefühl und Intelligenz zu reagieren, sodass kurzfristig menschliches Leiden verringert werden kann und auf lange Sicht künftige Generationen die Möglichkeit erhalten, nachhaltige und materiell bescheidenere Gesellschaften zu entwickeln, die auf den besten und wertvollsten Qualitäten des menschlichen Wesens beruhen.

Ich stieß auf das Thema der Energievorräte wegen meiner Leidenschaft für alle ökologischen Fragen und meines jahrzehntelangen Bemühens, zu verstehen, was die Veränderungen menschlicher Kulturen bewirkt. Ich wollte also eine Antwort auf die Frage finden: Warum lebt eine Gruppe von Menschen in Hochhäusern mit Klimaanlagen und kauft in Supermärkten ein, während eine andere, genetisch fast identische Gruppe in Rindenhütten haust und wilde Pflanzen sammelt?

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