Am Abend vor ihrem neunten Geburstag probiert Rose Edelstein ein Stück des selbstgebackenen Zitronenkuchens ihrer Mutter. Verwirrt stellt sie fest, dass sie jede einzelne Emotion, die ihre Mutter während des Backens fühlte, herauschmecken kann. Geschockt muss Rose feststellen, dass ihr sonst vor Freude und Lebendigkeit strahlende Mutter insgeheim verzweifelt ist. Fortan ist es für Rose der blanke Horror, etwas zu essen, was ihre Mutter gebacken hat. Diese magische Gabe funktioniert allerdings nicht nur bei ihrer Mutter, sonder bei allem, was nicht von Maschinen fabriziert wurde. Rose hält es nicht mehr aus, die Verzweiflung und die tiefe Traurigkeit anderer Menschen während es Essen zu schmecken. Sie beschränkt ihre Nahrung auf, durch Maschinen angefertigtes Essen.
Mit der Zeit merkt Rose, dass nicht nur sie ein "verborgenes Talent" hat. Mit ihrem Bruder stimmt auch irgendetwas nicht. Ihren Bruder, allerdings, hat es weitaus schlimmer getroffen als sie selbst.
"The Particular Sadness Of Lemon Cake" ist aus Rose' Sicht geschrieben. Sehr detailliert werden ihre, allerdings auch die Gefühle, die sie aus dem Essen herausschmeckt geschildert.
Das Besondere an diesem Roman ist, dass die Tatsache, dass Rose Gefühle im Essen schmecken kann, nur benutzt wurde, um eine Familiengeschichte, beinahe sogar ein Familiendrama, besser, geschickter und individueller dar zustellen. Diese besondere Gabe ist gar nicht wirklich der Mittelpunkt der Geschichte, wie ich zu erst vermutet hatte, sondern eine geschickte Möglichkeit, Familiengeheimnissen auf die Schliche zu kommen.
Außerdem schafft es Aimee Bender Themen wie Freundschaft, Ausgenutzung, Liebe und vorallem das extrem heikle Thema, immer nur die Nummer zwei im Leben eines Elternteils zu sein, in eine wunderschöne und frische Geschichte zu verpacken.
Besonders Rose Vater hat mir als Charakter sehr gut gefallen. Er hatte etwas sehr chamantes und voralle warmes an sich. Gegen die Mutter habe ich mit der Zeit einen ziemlichen Hass entwickelt, auch wenn ich denke, dass die Autorin diese Emotion bei den Lesern nicht hervorrufen wollte, da selbst die Mutter postive Eigenschaften hatte. In diesem Roman habe ich, zusammen mit Rose, jede nur erdenkliche Emotion durchlebt.
Was mich wirklich gestört hat, war dass die Geschichte so unendlich traurig war. Ich konnte keine Sekunde lange aufatmen, weil ich zusammen mir Rose wahres Glück durchleben durfte. Immer wurden glückliche Momente von etwas Schrecklichem überschattet. Auch das Ende fand ich sehr unbefriedigend, da es einen mit vielen Fragen zurück lässt und man nicht wirklich das Gefühl hat, dass Rose mit ihrem Leben glücklich ist.
Die Sache mit Joe fand ich einfach viel zu weit hergeholt und daher nicht mehr glaubhaft. Da hätte sich die Autorin wirklich etwas Besseres einfallen lassen können!
Alles in Allem war "The Particular Sadness Of Lemon Cake" trotzdem eine sehr schöne Geschichte, die einen sehr nachdenklich gestimmt hat. Wie die Autorin die Geschichte verpackt hat, fand ich so wunderbar erfrischend, dass ich dem Roman guten Gewissens 4 Sterne geben möchte!
Wer gerne Romane liest, die tiefsinnig sind und die einen eine lange Zeit nicht loslassen, der sollte sich dieses Buch wirklich nicht entgehen lassen!