In Martin Scorcese's Film AVIATOR kann man das Leben von Howard Hughes, der sich als passionierter Flieger einen Namen gemacht hat, gut nachvollziehen - Hughes trat zudem auch als Produzent & Regisseur in Hollywood in Erscheinung, dies allerdings mit weniger auf Qualifikation begründetem Erfolg. Während Hughes's Film HELL'S ANGELS aus den späten 20ern aufgrund von spektakulären Flieger Szenen noch eine Oscar-Nominierung (für die Beste Kamera) für sich verbuchen konnte, sorgte zwar auch THE OUTLAW (deutscher Titel: GEÄCHTET) seinerzeit für Aufsehen, dies allerdings aus ganz anderen Gründen ... ob aber dabei auch der durchschnittliche Western-Fan wirklich auf seine Kosten kommt ... ?!
Inhaltlich (vermutlich aber weniger historisch fundiert) geht's in OUTLAW um die Western-Legenden Billy 'The Kid', Pat Garrett und Doc Holliday. Holliday und William Bonney (= Billy 'The Kid') stehen einander zunächst als Kontrahenten gegenüber, da Bonney Holliday's Pferd gestohlen hat. Im weiteren Verlauf entsteht allerdings so etwas wie eine 'westerntaugliche' Freundschaft zwischen den beiden Männern, beide haben auch in puncto Frauen denselben Geschmack, was sich durch ihrer beider Interesse an der attraktiven Rio (Jane Russel) ausdrückt, in die Bonney sich schnell verliebt. Sheriff Pat Garrett (Thomas Mitchell) sieht den Kontakt seines Freundes Doc Holliday (Walter Huston) zu dem Gesetzlosen Bonney (Jack Beutel) gar nicht gern, sieht das bislang freundschaftliche Verhältnis sogar gefährdet, denn nach Ablauf eines Ultimatums muß Garrett nun Jagd auf William Bonney machen - und somit auch auf Doc Holliday, der mit Bonney zusammen unterwegs ist. In der Liebe sind die Emotionen ähnlich gespalten: Rio, die zunächst Grund zur Vergeltung sieht, pflegt Bonney stattdessen lieber gesund, nachdem dieser angeschossen wurde - und 'heiratet' ihn sogar. Die Story charakterisiert sich durch ständige Wechsel in den Verhältnissen der vier Protagonisten zu einander, Mißtrauensmomente sowie unfreiwillige Zusammenschlüsse bestimmen den Fortlauf, der dennoch so ein wenig vor sich hin mäandert - da wirkt auch das Intermezzo der Verfolgung durch einen Indianerstamm ein wenig zu gewollt. Zum Ende hin wird's, trotz einiger humorvoller Momente, für einen von ihnen dennoch ernst ... einer muß sein Leben lassen, ein anderer wird zum Schein begraben, ein weiterer 'guckt dumm aus der Wäsche', ein zögerliches Happy-End gibt's dennoch.
Im Grunde verfügt der Film/das Drehbuch durchaus über Potential (ungeachtet eines tatsächlich belegbaren, historischen Gehalts), er hätte wohl nur anders inszeniert werden müssen, um den Charakteren zu mehr Tiefe, der Story zu mehr Spannung zu verhelfen. Die Komponenten Abenteuer, Emotionen, Humor und Spannung (jeweils gepaart mit adäquater Musik) sind definitiv vorhanden, für ein stimmiges 'Ganzes' fehlt es aber an professioneller Koordination. Auch die Darsteller-Riege ist nicht die schlechteste: Jack Beutel (der in OUTLAW erstmals auf der Leinwand zu sehen war) ist optisch (nach Hollywood Maßstäben) durchaus geeignet für die Rolle eines jungen Billy 'The Kid' und John Huston's Vater Walter verkörpert den Spieler und Revolverhelden Doc Holliday oftmals wirklich charismatisch - Jane Russell (ebenfalls Leinwand-Debütantin) ist definitiv ein Hingucker!
Für eingefleischte Western-Fans wird es kein langes Zögern geben: Da dieser Klassiker nun auch auf dem deutschen DVD-Markt (ausgestattet mit deutscher Sprache) erhältlich ist, läßt sich eine Lücke in der Sammlung schließen. Wirkliche Western Kenner werden sicherlich dennoch interessantere Verfilmungen zum Thema Billy 'The Kid' & Co. kennen (z.B. ONE-EYED JACKS von/mit Marlon Brando).
Über das Western-Genre hinaus, mag OUTLAW aber allgemein Hollywood-Film-Fans (sowie privaten & beruflichen Filmhistorikern) interessant erscheinen, sein eigentlicher Klassiker-Status ergibt sich nämlich aus einer ganz anderen Perspektive heraus, als aus irgend einer, die alleinig im Zusammenhang mit dem Western stünde. Zunächst einmal, soweit mir bekannt, ist dies die erste DVD-Veröffentlichung eines Films, bei dem Howard Hughes Regie führte, auf dem deutschen Markt (Regisseur Howard Hawks verließ nach 2 Wochen das Dreh-Set ... ging er oder wurde er gegangen?!). Und eines ist Hughes, bei möglicherweise anzukreidenden Defiziten, garantiert gelungen: Die Inszenierung von Jane Russell, bzw. ihren weiblichen Reizen. Und um Jane Russell's immense Oberweite (für die Hollywood das Sprüchlein: "The Two And Only" erfand) optimal in Szene setzen zu können, entwickelte Hughes (der durchaus über Erfindergeist verfügte) extra einen BH, der ihre Brust mehr anheben und somit noch präsenter für die Kamera gestalten sollte - laut eigenen Angaben hat Russell diesen BH allerdings niemals getragen. War vielleicht auch gar nicht nötig: Gemessen an den Zensurbestimmungen der damaligen Zeit (seit 1934 mußte sich streng nach dem Hays-Code/Production Code gerichtet werden) sorgte bereits ihr häufig gezeigtes Decolleté für Publicity - um den somit vorprogrammierten Skandal zu vermeiden, wurde der bereits 1940 gedrehte Film erst 6 Jahre später der breiten Öffentlichkeit vorgeführt.
Von der Verabschiedung eines Regisseurs noch vor Ablauf der Dreharbeiten, sowie der späten Veröffentlichung einer bereits lange abgeschlossenen/in Angriff genommenen Filmproduktion - beides Faktoren, die sich als so symptomatisch für Howard Hughes's Filmproduktionen/Vorgehensweise erwiesen (siehe auch HELL'S ANGELS, VENDETTA, MACAO) - blieb also auch OUTLAW nicht verschont ... dennoch hatte Hollywood jetzt einen neuen Star: Jane Russell!
Wer jetzt noch mit sich am Hadern ist (= "Brauche ich diesen Film oder brauche ich ihn nicht?!"), dem sei folgendes noch mitgeteilt: Das Preis/Leistungsverhältnis ist weitgehend okay, der Film ist in zwei Versionen auf der DVD enthalten, zum einen in der Original S/W-Version und dann noch einmal in der (vermutlich zweiten nachcolorierten) Farbversion, beide Versionen können sowohl in Deutsch, wie in Englisch angesehen werden - die deutsche Tonspur fällt in der S/W allerdings auf die letzen paar Minuten plötzlich komplett aus, hier muß man schnell auf Englisch 'umswitchen'. Die Bild- und Tonqualität ist, immer auch gemessen am Alter, weitestgehend gut, sowohl die S/W wie auch die Farbversion sollen ja auch restauriert und digital remastered worden sein. Der Print, der dieser Veröffentlichung zugrunde liegt, stammt von der Firma 'Legend Films' aus Amerika, das amerikanische 'Pendant' wird auch auf amazon.com angeboten. Ich selbst besitze bereits seit einiger Zeit eine Ausgabe von OUTLAW aus der 'Synergie'-Reihe und der direkte Vergleich läßt keine Fragen offen: Diese Version von 'Legend' ist eindeutig die hochwertigere und das bei ca. demselben Preis!
Fazit: OUTLAW ist sicherlich kein 'Muß', dennoch ein Hollywood-Klassiker, der Sammlern Spaß machen wird und auf dem deutschen Markt in keiner besseren Form, als in dieser, erhältlich ist.
-- theSilentNoirFreak