2003 als Bandprojekt von Gitarrist und Keyboarder Nicolas van Dyk gestartet, war aus "Redemption" schon mit dem zweiten Album "The Fullness of Time" (2005) eine verdammt ernst zu nehmende und ausgereifte Prog-Metal-Supertruppe geworden. Schuld daran sind mitunter der feste Einstieg von Fates-Warning-Sänger Ray Alder und das großartige Songwriting, an das anno 2007 nahtlos angeknüpft wird. "The Origins of Ruin" ist das erwartete Spitzenalbum geworden, das alle Dream-Theater- und Fates-Warning-Jünger zum ehrerbietenden Kniefall bittet, aber doch einen ganz eigenen Stil festigt. Die düstere Heaviness ist es, die Redemption erneut auszeichnet, die betörend melancholischen Atmosphären, die man von keiner anderen Band mit einem solchen Härtegrad serviert bekommt, veredelt durch feinfühlig balladenhafte Clean-Guitar-Landschaften. Ähnlichkeiten zu Fates Warning gibt es viele, vor allem zu späteren Werken wie "Disconnected" oder "FWX". Das bezieht sich auf die elegante Gitarrenarbeit, die zugänglich und dennoch komplex arrangierten Songs und die edle Brachial-Melancholie. Jedoch ist der Metal- und Frickel-Faktor höher. Heftige Metaldrives peitschen die Songs nach vorn. Keyboardteppiche und helle Klavierpassagen als Kontrast zu den schweren Gitarren machen die unterkühlten Atmosphären noch packender. Von ganz großer Prog-Schule zeugen elegante Rhythmuswechsel, technische Feinheiten und Läufe und vertrackte Instrumentalstrecken. Unter den neun Songs sind straighter aufgebaute, eingängige Stücke und schier endlos verschachtelte Epen nahe der 10-Minuten-Grenze. Ihnen allen gemeinsam sind hochemotionale Refrains mit hochemotionalen Melodien, mal beinahe hypnotisch klagend im Mittelpunkt des Stücks wie bei BLEED ME DRY oder MAN OF GLASS, mal tief eingebettet wie bei FALL ON YOU. Das Spektrum der Songs reicht von THE DEATH OF FAITH AND REASON, das mit einer Aggressivität ähnlich wie Dream Theaters "Train of Thought"-Album zu Werke geht, bis hin zum getragenen BLIND MY EYES, das an Fates Warning "Wish" erinnert. Mit dem sich langsam aufbauenden Gänsehaut-Longtrack MEMORY haben Redemption einen Nachfolger zum überirdischen "Sapphire" von "The Fullness of Time" geschrieben, dessen zum Heulen schönen Melodien zwischendurch kurz von Klavier und Gitarre zitiert werden. Der heimliche Höhepunkt des Albums ist das nur 2:47 lange Titelstück THE ORIGINS OF RUIN. Lediglich von einer zerbrechlichen Klaviermelodie begleitet, am Ende von ein paar wenigen bombastischen Gitarren und Drums unterstrichen, rückt Ray Alders Stimme ins absolute Zentrum. Text und Musik beschreiben die emotionale Welt, die sich hinter dem Foto auf dem Cover verbirgt und für das ganze Album bezeichnend ist. Sie ist geprägt von Wehmut, von zerbrochenen zwischenmenschlichen Verbindungen, von Trauer über Fehler und falsche Entscheidungen, die ebenso Wut wie Resignation hervorruft, aber auch Hoffnung in einer vorsichtig optimistischen Schlussnote. Die Seelen reinigende Emotionalität von Ray Alders Stimme passt perfekt zu dieser ergreifenden musikalischen Studie komplexer Gedankenwelten, die den Hörer in heilsam schönen, intensiv erfahrenen Melodien versinken lässt und noch lange nach Ablauf der 57 Minuten nachhallt.
"Hand on Heart, Head in Hands
The Light is Fading Now,
It Cannot Pierce the Darkness
Nothing Left to Build Upon
Except the Mounting Fear That None of This Was Worth It
Hand on Pen, Pen to Page
Focus Though I May,
My Words Have Failed Me
Emptiness Consuming Me
The Shadows of My Broken Hope Play in the Dying Light
Tears in Eyes, Eyes Wide Open
Staring at the Glass
The Face I See Knows Everything:
- Words I've Written
- Letters Never Sent...
...Only Signposts Marking Out
The Origins of Ruin."
(ORIGINS OF RUIN)