Richard Strauss schrieb einige Liederzyklen für Orchesterbegleitung. In dieser Reihe ragen besonders seine letzten vier Lieder heraus, die sogenannten "Vier letzte[n] Lieder".
"Im Frühling" (Hermann Hesse) macht den Auftakt, ein Lied von romantischem Habitus und unbändiger Sogkraft. Genauso wie "September" (Hesse) steckt es voller Klangbilder und warmen Klangfarben. Strauss gelingt es hier, die Natur, wie er sie empfindet, auf das Orchester zu projizieren und die dadurch entstehenden Impressionen mit den tief empfundenen Gefühlen, die im jeweiligen Gedicht ausgedrückt werden - sei es nun Freude, sei es Melancholie -, zu einer ergreifenden Synthese zusammen zu führen.
Das Lied "Beim Schlafengehen" (Hesse) zeichnet sich insbesondere durch seine Ruhe und seine Transparenz aus. Der Sopranistin wird ein weiter Raum zur Entfaltung der Klangkosmen gewährt, die nötig sind, um die weite Emotion dieses Gedichtes wiederzugeben.
Das Wanderer Lied "Im Abendrot" (Joseph von Eichendorff) ist gewiss das beste der "Vier". Die Wanderschaft ist zu Ende, man legt sich zur Ruhe. Ist diese Ruhe aber die letzte? Strauss setzt zunächst wieder romantisch impressionistische Akzente, bis schließlich die Ruhe in den Mittelpunkt rückt. Man kann diese Vertonung quasi als eine Symbiose aus den ersten drei Liedern ansehen. Alles wird immer ruhiger, immer leiser.
Gundula Janowitz singt diese herrlichen, transzendentalen Lieder mit vollem Einsatz: Empathie, Ausdruck, Trance sind aus ihrer Stimme herauszuhören. Einfach wundervoll!
Als erste Zugabe folgt die frühe sinfonische Dichtung "Tod und Verklärung". Symbolisch gelingt es Richard Strauss hier, das Sterben eines großen Mannes darzustellen, dessen Seele nach dem Tod gen Himmel fährt und dort verklärt wird. Immer wieder mitreißend ist die Stelle, an der die Seele den Körper verlässt und nach oben strebt. Auch die einleitende Berceuse ist herrlich.
Die zweite Zugabe ist ein weiteres herrliches Werk Strauss': die Metamorphosen für 23 Solostreicher. Mit diesem dichten, schweren, tief empfundenen Stück wollte Strauss seinem Kummer über die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges Ausdruck verleihen. Die Musik ist getragen und mäßig, kaum ein wilder Ausbruch, fast an einen Totenmarsch erinnernd. Der Komponist verwendet etliche Pianissimo Passagen.
Die Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karajan spielen alle hier aufgenommenen Stücke mit einer unglaublichen Wärme und Klangschönheit. Karajan gelingt es, die Lieder pittoresk auszuschmücken. Die Einspielung von "Tod und Verklärung" zählt meines Erachtens ohnehin zu seinen Großtaten. Freilich könnte man anmerken, dass er die Ecken, Kanten, die schroffen Sequenzen der "Metamorphosen" kaschiert, ihre Wirkung verfehlen sie aber dennoch nicht. Die Aufnahmequalität ist ausgezeichnet.
Fazit: Die meines Wissens beste Einspielung der Lieder und von "Tod und Verklärung" und eine hervorragende Interpretation der "Metamorphosen"!