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Die Texte sind ungewöhnlich klar und deutlich, auch wenn die Sänger nicht die gleiche Erfahrung und Größe vermitteln, wie Sir Soltis Besetzung in London. Doch es gibt Ausnahmen: Jon Vickers, als vielschichtiger und prüfender Siegfried, tritt zum Beispiel mit Gundula Janowitz als strahlende Sieglinde auf. Martti Talvela ist zweifelsohne der sympathischste und anrührendste Fasolt, der auf einem Tonträger zu haben ist. Gerhard Stolze als Mime wirkt hier weniger verkünstelt und unmittelbarer als bei Solti.So bevorzuge ich auch von Karajan, Christa Ludwig in der Rolle von Waltraute. Helge Brilioths warm klingende Stimme und seine solide musikalische Leistung als Siegfried in Götterdämmerung ist eine angenehme Überraschung. Kleinere Rollen profitieren von der starken Besetzung, wie die Rheinmädchen und die Wallküren.
Letztendlich ist es Karajans Show -- und die wunderbaren Berliner Philharmoniker sind die Stars. --Jed Distler
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Wie hatten mich damals das herrliche Orchester und die transparente Ausgewogenheit des Gesamtklangs fasziniert!
In welche Suchtzustände hatte mich damals die tolle Musik versetzt!
Heute über 20 Jahren später, habe ich mir die gleiche Aufnahme als CD-Set gekauft. Das Ergebnis: die alte Liebe ist wiedergekehrt! Ich bin seitdem wieder Wagner-süchtig!
Um Unterschied zu früher ist mir heute allerdings klar, daß das Herausragende an dieser Aufnahme im Faszinosum Karajan zu finden ist.
Schon allein die Tatsache, daß er auf fast alle berühmten "Wagner-Kanonen" (so wie Karajan sie selber nannte) der damaligen Zeit verzichtet hat, um mit einer "anderen" Sängergeneration diese Musik neu zu interpretieren, ist beeindruckend.
Zusammenfassend kann man zu dieser Aufnahme folgendes sagen:
(1) Im Vordergrund steht die Musik und ihre Gestaltungsmöglichkeit, und nicht der Sänger.
(2) Karajan hat mit Sänger zusammengearbeitet, die er nicht "begleiten" mußte, sondern mit denen er gemeinsam Musik gestalten konnte.
(3) Diese Sänger haben nicht immer den Tonumfang, den man damals wie heute von einem gestandenen Wagner-Sänger erwartet. Trotzdem zeichnen sich alle Sänger durchwegs durch eine starke Musikalität aus, die sich durch eine deutliche Sprachgestaltung und eine hervorrangende Anpassung an den musikalischen Fluß definiert.
(4) Man muß dieser Aufnahme die Chance geben, sich an sie durch mehrmaliges Hören zu gewöhnen. Vieles klingt auf dem ersten Blick fremd, was sich dann aber durch öfteres Wiederholen in mehr als Wohlgefallen auflöst.
Ich empfehle, den Hörgenuß nicht aktweise, sondern in Szenen innerhalb der Akte aufzuteilen. Spätestens nach dreimaligem Repetieren stellt sich dann ein Rauschzustand ein, der durch keine Entziehungskur geheilt werden kann.
(5) Ich möchte diese Aufnahme mit keiner anderen tauschen. Herr Doktor, sie können mich jetzt therapieren! Aber ich versichere Sie, ich bin unheilbar.
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