Herbert von Karajan war zeitlebens dem Walzer, der Polka und Marschmusik sehr zugetan. Einige legendäre Neujahrskonzerte stehen auf seiner Kappe und auch mit den Berliner Philharmonikern wagte er sich an eine umfangreiche Einspielung Straußscher Walzer, deren Kleinodien auf dieser CD zusammengestellt sind.
An Walzern finden sich zunächst die possierlichen "G'schichten aus dem Wienerwald", ein heiteres, weit verwobenes Kunstwerk, dem man nicht gerecht wird, wenn es schlicht als Walzer bezeichnet. Es handelt sich vielmehr um eine sinfonische Dichtung erster Güteklasse. Johann Strauß schiebt dem eigentlichen Tanz eine langsame Einleitung vor, wiederholt diese gegen Ende erneut und ziseliert die Komposition mit zahlreichen pittoresken Akzenten, wie dem Einsatz einer Solozither, die Karl Swoboda bedient.
Die "Morgenblätter" sind ein recht kurzes, prägnantes Charakterstück des Österreichers. Sie sind weniger ausladend und leidenschaftlich wie die G'schichten. Als Stilmittel setzt Strauß hier vermehrt auf Streicherpizzikati.
"Wiener Blut" ist wohl einer von Strauß' bekanntesten und beliebtesten Walzern. Wenn aus dem beinahe impressionistischen Dickicht an Klangstrukturen plötzlich der strahlende, mitreißende Walzer hervorbricht, ist es egal, ob man diese Stücke zu Neujahr oder im Juli hört: Man wird immer ergriffen von dem echten, authentischen Impetus.
Als einziger Walzer von Josef Strauß finden sich die "Sphärenklänge" auf dieser Kompilation. Es ist ein üppiger, weit ausschweifender Walzer voller Höhepunkte und einer gehörigen Themenvielfalt. Vor allem die leidenschaftlichen Mittelteile sind fast transzendental.
Einige mehr oder minder bekannte Polkas sind ebenfalls auf der CD, so die Polka "Auf der Jagd", ein stürmischer Satz voller Ecken und Kanten und dem typisch österreichischen Charme.
Die "Pizzicato Polka" ist eines der einfallsreichsten Stücke von Johann Strauß und zählt zusammen mit "Unter Donner und Blitz", einem Silvester Schmankerl, und "Leichtes Blut", wahlweise auch mit Gesang, zu den beliebtesten Polkas. Diese besticht durch seine Frische und dadurch, dass sie ein echter Ohrwurm ist; jene ist von nächtlicher Nonchalance und stiller Majestät und passt bestens zum Glas Sekt.
Die französische Polka "Postillon d'Amour", die Strauß' Fähigkeit offenlegt, fremdländische Rhythmen mit dem Charakteristischem der Donaumonarchie zu kombinieren, eine Fähigkeit, die er auch im "Ägyptischen Marsch" unter Beweis stellt, ist ebenfalls mit von der Partie .
Weiterhin und schließlich findet sich noch der orientalisch angehauchte "Persische Marsch" auf dieser CD. Er ist gemächlich und reich an fremdländischen Klängen.
Die Berliner Philharmoniker, die Herbert von Karajan zu einem unvergleichlichen Klangapparat formte, spielen diese harmoniebetonten Stücke ausgezeichnet und echt wienerisch. Selbst eingefleischten Karajan Kritikern dürfte diese CD gefallen, denn der vermeintliche karajansche Schönklang ist das, was diese unbedarften Stücke unbedingt erfordern. Der Klang ist glasklar.
Fazit: Auch wenn ich einige berühmte Walzer, wie "An der schönen blauen Donau", die "Rosen aus dem Süden", den "Frühlingsstimmenwalzer" oder den "Kaiser Walzer", und natürlich den Radetzky Marsch vermisse, so handelt es sich hier um eine ausgezeichnete Aufnahme Karajans. Wer mehr Walzer, Polkas oder Märsche hören will, der sei auf http://www.amazon.de/Strau%C3%9F-Die-sch%C3%B6nsten-Walzer-Polkas/dp/B00000HY9K/ref=pd_sim_m_4 verwiesen.