Von den beiden hier vorliegenden Klavierkonzerten, zweier der besten der Romantik und grundsätzlich, gibt es zahllose Einspielungen. Die beiden, die auf dieser CD versammelt sind, verdienen aber besondere Anerkennung und können mit Fug und Recht als Referenzen bezeichnet werden.
Peter Tchaikovskys Klavierkonzert Nr. 1 in b moll op. 23 ist ein Bewährungsstück für jeden Klaviervirtuosen. Die teils fingerbrechenden Solopassagen und Kadenzen für das Klavier machen es zu einem der schwierigsten Klavierkonzerte überhaupt. In der hier vorliegenden Aufnahme spielt Sviatoslav Richter zusammen mit den Wiener Sinfonikern unter Herbert von Karajan die wohl beste Einspielung dieses frühen Meisterwerks des großen Russen.
Das Werk eröffnet mit dem berühmtesten Motiv Tchaikovskys, schicksalsschwer, warm und majestätisch. Es handelt sich um eine hochromantische Fanfare voll russischen Charmes. An diese Einleitung schließt sich ein ausgedehntes Allegro con spirito an, das durch seine Unnahbarkeit berauschend wirkt, auch wenn den Hörer immer wieder das Gefühl beschleicht, dass demselben etwas fehle.
Der zweite Satz, ein zartes Andantino semplice, wird durch ein bizarres Prestissimo unterbrochen. Das Finale knüpft an die Ausdrucksweiten des Eingangsallegros an. Nach reichlichem Hören bin ich zu der Feststellung gekommen, dass der nach Dur gekehrte Abschluss der eigentliche Höhepunkt dieses wundervollen Konzertes ist.
Richter meistert auch noch so schwierige Passagen mühelos. Karajan peitscht die Wiener zu Höchstleistungen auf. Dafür, dass die Aufnahme beinahe fünfzig Jahre alt ist, ist sie bezüglich ihrer Tonqualität tadellos.
Sergei Rachmaninovs zweites Klavierkonzert in c moll op. 18 ist eines seiner besten und bekanntesten Werke. Hier spielt Richter zusammen mit dem Sinfonie Orchester der Nationalphilharmonie Warschau unter der Leitung des weniger bekannten Stanislav Wislocki.
Das Werk eröffnet mit einem bedrückenden Thema in den tiefen Streichern, stark appassioniert und durch die Basslage des Klaviers beinahe zu einem Teufelstanz stilisiert. Der Satz ist von leidenschaftlichen Ausbrüchen gegliedert. Beeindruckend ist vor allem die rhapsodische Behandlung des konzertanten Verhältnisses zwischen Solist und Orchester.
Im zweiten Satz klingen einige der schönsten Motive Rachmaninovs an, die nicht ohne Grund ans Innerste rühren - eines der Themen hat eine erstaunliche Ähnlichkeit zu Celine Dions Pop Hit "All by Myself".
Im Finale, einem Allegro scherzando, lässt Rachmaninov alle Schicksalsschwere weg und gibt sich beinahe ausgelassen und jauchzend.
Die Warschauer und Richter spielen perfekt, arbeiten jede Nuance heraus und versetzen den Hörer ins Schwelgen. Diese Darbietung übertrifft sogar Rachmaninovs eigene Einspielung dieses Werks mit dem Philadelphia Orchestra. Genial! Die Tonqualität kann nicht mit dem Tchaikovsky Konzert mithalten, obwohl die Aufnahme nur wenige Jahre vor jener entstanden ist. Aber Rachmaninov Werken schadet eine Prise Lagerfeuerromantik keineswegs.
Fazit: Zwei der besten und bedeutendsten Klavierkonzerte in einer herausragenden Einspielung des Jahrhundertpianisten Richter! Was will man mehr! Sehr empfehlenswert!