"The Only Living Witness" ist wie ein Autounfall - man weiß, es ist schrecklich, aber man kann nicht wegsehen. Bei diesem Buch weiß man, daß das, was einen erwartet fürchterlich sein wird - Serienkiller sind niemals leichte Kost - aber man kann dieses Buch einfach nicht aus der Hand legen. Der einzige Grund, warum ich es nicht in zwei Tagen gelesen habe, war die Tatsache, daß ich zwischendrin in die Arbeit mußte.
Aber was macht das Buch eigentlich zu so einem faszinierenden Text? Der Inhalt? Bestimmt bis zu einem gewissen Teil. Aber eigentlich kennt man den ja schon grob. Aus Versehen kauft man sich wohl kein Buch über einen Serienkiller, vor allem nicht über Ted Bundy, der bestimmt zu den berühmtesten Mördern des letzten Jahrhunderts gehört. Allerdings ist es tatsächlich spannend, einen Einblick in das Innere eines Serienmörders zu bekommen. Ted Bundy war kein dummer Mensch und wenn er beschreibt, was ihn in seiner Jugend beeinflußt und auch bis zu einem gewissen Punkt zu dem Menschen gemacht hat, der über 30 Frauen getötet hat, dann glaubt man ihm und beginnt diese Dinge und Einflüsse (Pornohefte, Gewaltfilme) auch in der jetzigen Gesellschaft wahrzunehmen. Man fragt sich, ob sie auf die Menschen im eigenen Umfeld wohl eine ähnliche Wirkung haben können, wie auf Bundy.
Für mich war es aber vor allem die Art, in der dieses Buch geschrieben wurde, die es für mich so faszinierend gemacht hat. Oft ist es ja so, daß Gerichtsmedizinier, Staatsanwälte, Psychologen usw. Bücher über ähnliche Themen schreiben, aber dabei zu jeder Zeit sich selbst im Vordergrund halten. Da wird so viel Selbstlob betrieben, daß man das Buch am liebsten gegen die Wand schmeißen will, auch wenn man die Arbeit der jeweiligen Person durchaus anerkennt. Hier ist das anders. Die beiden Journalisten, die dieses Buch geschrieben haben, halten sich sehr zurück. Und wenn sie doch etwas aus ihrer Sicht schreiben, dann wirkt das zu keiner Zeit unangenehm.
Auch verzichten die beiden Autoren völlig auf blutrünstige Details, die so manch einer benutzt, um die Auflage zu steigern. Sie beschreiben die Morde deswegen nicht weniger ausführlich. Nur baden sie eben nicht in Blut und Gedärm.
Noch schlimmer wird es, wenn auch noch Bilder dazukommen. Dieses Buch kommt - mal von der schon recht gruseligen Bundy-Fotografie auf dem Cover - vollständig ohne Fotos aus.
Und das, was das Buch für mich als Bestes unter den Real-Crime-Büchern macht, ist die Tatsache, daß es vollkommen ohne Sätze wie, "Und dann öffnete sie die Tür." auskommt. Die stören schon in Roman, wer braucht sie dann schon bei einem so delikaten Thema? Ich nicht.