Die Amerikaner wissen, wie Serien gehen. Dies wurde nie so deutlich wie bei "The Office", einer wunderbar heiteren Show, manchmal bitterböse mit einer Vielzahl von Charakteren, deren Story bis in die mittlerweile 8. Staffel hinein erzählt wird.
Warum betone ich das Können der Amerikaner? Wie der Leser sicherlich schon erfahren hat, ist diese Serie ebenso wie "Stromberg" eine Adaption des englischen Originals von "The Office". Und so sehr ich Stromberg in den ersten beiden Staffeln geliebt habe, so sehr langweilte es mich im Folgenden. Die Charaktere erstarrten zu Parodien ihrer selbst, es fand nicht die geringste Entwicklung mehr statt. Ganz anders bei der hier beschriebenen Serie.
Die Serie spielt in Scranton, etwa 2 Autostunden entfernt von New York. Die Darsteller arbeiten in der fiktiven Firma "Dunder Mifflin" und verkaufen Papier.
Hauptdarsteller ist "Michael Scott", der in der ersten Staffel ein ebensolcher Widerling ist wie sein englisches bzw. deutsches Pendant. Doch dies soll sich im Folgenden ändern, und hiermit schlage ich den Bogen zu meinem anfänglichen Lob: Die Charaktere entwickeln sich! Michael wird man wohl nie als jemaden bezeichen können, den man gerne als Chef hätte (dafür ist er zu unprofessionell). Aber er hat ein großes Herz, ist im tiefen Innern ein guter Mensch, sehr sehr verletzlich aber leider auch mit einem gnadenlos nicht vorhandenen Taktgefühl gestraft. Er hatte eine schwierige Kindheit ohne Freunde und ohne leiblichen Vater, und diese Konflikte sind bis ins Erwachsenenalter übertragen worden (Michael ist etwa Mitte 40). Für ihn sind die Mitarbeiter seine Familie, der Sinn des Jobs besteht insbesondere darin Spaß zu haben. Michael wird vom großartigen "Steven Carell" verkörpert, ein unfassbar starker Schauspieler!
Eine weitere Hauptfigut ist "Dwight Schrute", der wohl das Pendant zu Ernie aus "Stromberg" darstellen soll. In den ersten Staffeln wird man das wohl noch mit Recht sagen können, mit dem Unterschied, dass Dwight ein sehr erfolgreicher salesman ist. Aber auch bei ihm stellt sich mit der Zeit eine enorme Entwicklung ein. Er ist nicht mehr nur der kleine Bückling, Dwight entwickelt ein außerordentliches Selbstbewußtsein. Er ist Erbe von "Schrute Farms", wo er Rüben anbaut. Nebenher betreibt er auf der Farm ein "Bed & Breakfast", wobei er das selbst nie als solches bezeichen würde, da es weit mehr sei als ein gewöhnliches "B & B". Dwight hat deutsche Wurzeln, auf die er sehr stolz ist. Gelegentlich spricht er auch deutsch, wobei dieses laut eigener Aussage vorindustriell und überwiegend religiös ist. Mit der Zeit erfährt der Zuschauer, dass Teile von Dwights Familie nach WW II nach Argentinien ausgewandert sind. Der Teil seiner unmittelbaren Familie lebt seit 4 Generationen in den USA, sein Vater sowie dessen Vater und Großvater hießen ebenfalls Dwight Schrute. Sein UrUrGroßvater hieß "Dwide Schrude". Die Familie ist Amish, was man Dwight aber anhand der Kleidung nicht ansieht, lediglich seinem Cousin Moses, der ebenfalls auf der Farm lebt. Dies ist ein weitere wunderbarer Aspekt der Serie.
Dwight ist ein absoluter Freak, in vielerlei Hinsicht. Man kann ihn nur lieben!
Dwights "Gegenspieler" ist Jim Halpert. Er stellt vielleicht den ausgeglichensten Teil des Ensembles dar. Jim zeichnet sich insbesondere aus durch zahlreiche "pranks" gegenüber Dwight. Die beiden hassen sich. Aber ich behaupte, im tiefsten Innern lieben sie sich auch. Es gibt immer mal wieder Momente, in denen sie sich gut verstehen. Insbesondere wenn es wirklich darauf ankommt, halten sie zusammen, auch wenn es Dwight sehr schwer fällt, Gefühle zu zeigen.
Jim ist von Anfang an in die Sekretärin "Pam" verliebt, die mit "Roy" aus dem warehouse verlobt ist. Ich will nicht zu viel verraten, aber die story zwischen den beiden ist wirklich schön dargestellt.
Ich kann jetzt nicht jeden einzelnen Charakter in epischer Breite beschreiben. Aber es ist tatsächlich so, dass alle, die im Übrigen in dieser Besetzung bis zur achten Staffel (mit teilweise exzellenten Ergänzungen) bestehen bleiben, eine wichtige Rolle einnehmen, und jeweils ihre eigene Geschichte haben. Da gibt es "Creed", eine etwas dubiose Gestalt mit mehr als kriminellen Tendenzen. Creed ist phantastisch, ich kann mich über seine Kommentare halb tot lachen. Bei den acountants arbeiten Angela, sehr sehr sehr christlich, kalt und intrigant. Außerdem Oskar, sehr intelligent, wird von Michael geoutet, aber ist schließlich froh, dass es endlich raus ist, und sein Kumpel Kevin, ein chronischer Spieler, der etwas zurückgeblieben wirkt, aber eben auch ein unverzichtbarer Teil des Ganzen ist.
Es gibt noch weitere Charaktere, die ich lediglich aus Platzgründen nicht weiter beschreibe. Wer Englisch gut versteht, hat mit der Serie keine Probleme. Es ist aber auch eine exzellente Möglichkeit, sein Englisch zu verbessern.
Wer mit dieser Serie einmal beginnt, wird süchtig werden, das verspreche ich.....